Forum OÖ Geschichte

Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Aberglauben im Leben: Tod

Es gab eine Unzahl Vorzeichen, die auf den Tod hindeuten konnten: Wenn ein Hund, der LĂ€nge nach mit zur TĂŒr gewandtem Kopf in der Stube liegt, sterbe jemand.
Wenn wĂ€hrend eines BegrĂ€bnisses ein Hase durch den Friedhof lĂ€uft, so geschehe in der Pfarre in nĂ€chster Zeit ein Selbstmord. Wenn man einen, der sich selbst erhĂ€ngt hat, auf dem Friedhof begrabe, entstehe Hagel. Wenn die StubentĂŒre aufging, glaubte man, „der Tod habe sie aufgemacht.“ Fiel jemand beim Essen der Löffel aus der Hand, so war das auch ein Vorzeichen nahenden Todes. Der Löffel war ein Symbol fĂŒr den Besitz, das Fallenlassen fĂŒr das Aufgeben desselbigen („den Löffel abgegeben“). Starb jemand im Haus, musste man die Uhr „rasten“ lassen, sonst starb jemand nach, ebenso wenn man dem Toten die Augen nicht schließen konnte. Man meinte, „er schaue sich um einen Verwandten um“.
Beim Eintritt des Todes, dachte man, verlasse die Seele den Körper durch den Mund. Sie konnte dies auch als Vogel oder bei Kindern als Eidechse tun. In diesem Moment konnte es zum Anmelden kommen, die HaustĂŒr ging auf, GegenstĂ€nde fielen von den WĂ€nden, ein Klopfen war zu hören usw.

TotenbrÀuche:

Man musste die StubentĂŒre öffnen, um die Seele nicht im Haus einzusperren. Den Tieren am Hof musste man den Tod des Bauern verkĂŒnden, besonders den Bienen. In Grieskirchen sagte man unter Klopfen: „Der Herr ist gestorben“ und es wird berichtet, dass bei BegrĂ€bnissen „so viele Bienen mitflogen“. In Pramet wurde den Tieren: „Jetzt bin ich der Herr“ in den Stall gerufen.

Den Toten wurden die Augen geschlossen, die HĂ€nde gefaltet, sie bekamen frisches Gewand und wurden auf die bei uns eher schmucklos gestalteten Totenbretter gelegt. Im Mondseerland und im Bayrischen Wald gab es auch schön bemalte Bretter. Nach dem BegrĂ€bnis stellte man sie an BĂ€ume oder Wegkreuzungen und ließ sie vermodern oder brachte sie an Kapellen in der NĂ€he an.

In St. Thomas und Ried im Innkreis legte man den Toten MĂŒnzen auf die Augen. Sie sollten verhindern, dass der Tote als Wiederkehrer zurĂŒckkam, es war sein Reisegeld ins Jenseits. In christlicher Deutung wurde daraus ein Lohn fĂŒr Petrus. Über den Toten wurde der „Überthan“, eine weiße Leinwand, auf die Brust Heiligenbilder, Rosmarin- und WeinkrautbĂŒschel, die in der Ewigkeit zu Gold werden sollten, gelegt.

Der Totenansager sollte nicht ĂŒber die Felder gehen. In Peuerbach meinte man, ein solches Feld wĂŒrde keine gute Ernte mehr liefern.

Die Wache beim Toten hieß Gamen. In den Dörfern um die Redlalm, Ottnang, strich man dem Toten von den Zehen zur Wade und hob den Fuß leicht an, um ihm den ersten Schritt in den Himmel zu erleichtern. In Wallern aßen alle Besucher gemeinsam ein eigens gebackenes Brot, in Neumarkt wurden nur Jerusalempilger mit Schuhen bestattet, in Haag, St. Thomas und anderen Hausruckviertler Gemeinden band man verstorbenen Wöchnerinnen den Mund zu. In St. Thomas und vielen anderen Orten zog man dem Toten in den 30iger Jahren Kleider aus Papier an.

Beim Hinaustragen wurde der Sarg auf jeder TĂŒrschwelle abgestellt und ein Vaterunser gebetet. Das Totenstroh wurde in Frankenmarkt am BegrĂ€bnisweg verbrannt, das Totenbrett an einen Apfel- oder Birnbaum angelehnt, damit der Tote, wenn er zurĂŒckkomme, sich darauf ausruhen könne. Der Sessel des Toten dagegen musste umgedreht werden, „damit der Tod nicht darauf sitzen könne.“ In St. Thomas montierte man ein Rad des Totenwagens nach dem BegrĂ€bnis ab, „damit nicht so schnell wieder jemand stirbt“. In anderen Gemeinden nahm man auch die HinterrĂ€der ab, „damit der Tod absitze“.

In manchen Gegenden gab es Totenkronen. Sie waren aus Messing oder Gold- und Silberflitterwerk und wurden beim Gang zum Grab auf den Sarg gestellt.

Die Bemalung von Totenköpfen war nicht nur in Hallstatt ĂŒblich, sondern auch im westlichen Oberösterreich, besonders in Braunau, doch auch im Beinhaus von Ottnang findet sich eine Vielzahl bemalter SchĂ€del. Die Bemalung ĂŒbernahmen meist Tischler oder Schullehrer.


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

© 2020