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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Volksfrömmigkeit

Einer der wesentlichen Aspekte der Volksfrömmigkeit ist die Erweiterung der religiösen Zeremonien, die stark bildhaft und auf den Menschen selbst ausgerichtet sind, wohingegen die Religion Gott in den Mittelpunkt stellt.

Der Bauer und seine Heiligen:
FĂŒr das Vertrauen, das man den Heiligen entgegenbrachte, war sicherlich verantwortlich, dass ihre Feiertage das bĂ€uerliche Leben strukturierten. FĂŒr die Auswahl, welchen Heiligen man fĂŒr welches Leiden bevorzugte, waren oft Fehldeutungen der Heiligenlegenden oder ihrer Attribute verantwortlich. Ansonsten konnten der Beruf, besondere Taten, die Art des Martyriums, der Namen oder das Datum des Festes fĂŒr die Zuordnung des Heiligen fĂŒr verschiedene Anliegen verantwortlich sein.

FĂŒrs Vieh: Der heilige Leonhard und die Kirche in Geiersberg:
Seiner Lebensbeschreibung nach half er der Gattin König Chlodwigs bei einer schweren Geburt, was ihn zum Patron der Schwangeren machte. Als Dank erbat er sich vom König die Gnade, Gefangene befreien zu dĂŒrfen. Deshalb wurde er von Rittern angerufen, die in Gefangenschaft waren. Im Mittelalter bekam er als Attribut eine Gefangenenkette, die die Bauern aber als Viehkette deuteten und ihn zu ihrem Viehpatron machten. Er war der Heilige mit den meisten WallfahrtstĂ€tten in Oberösterreich. Eine davon ist die 1450 erstmals erwĂ€hnte Kirche in Geiersberg. Dort soll er einem Ritter erschienen sein, der sich verirrt hatte und ihm eine Quelle gezeigt haben. Der Ritter ließ dann die Kirche erbauen. Sie stand genau an der Grenze zum ehemaligen Bayern, deshalb stellte man wegen zuviel Schmuggels schließlich auch den Brauch ein, dass man Pferde durch eine Turmwölbung in die Kirche schauen ließ. Gespendet wurden Wachsvotive in Tierform, Eisenketten, lebende HĂŒhner, GĂ€nse und LĂ€mmer, Eier, Getreide und Schmalz. 1674 war das ganze Gotteshaus von einer Eisenkette mit 1.500 Gliedern umgeben. Außerdem fand man 1856 eine vielleicht an die GrĂŒndungslegende erinnernde Eisenfigur eines Ritters. Sie diente vermutlich dem „WĂŒrdigerheben“, das aus anderen Wallfahrtsorten bekannt ist. Dabei hoben junge MĂ€nner Statuen, um ihre Kraft und SĂŒndenfreiheit zu beweisen. LeonhardiheiligtĂŒmer stehen oft in Verbindung mit heilsamen Quellen oder AugenbrĂŒndln. Das Wasser aus Geiersberg nahm man am Leonharditag in FlĂ€schchen mit und besprengte damit Stall und Tiere.

FĂŒrs Wetter: Donatus, Johannes und Paul:
Im Innviertel wurden Johannes und Paul, im Hausruckviertel, besonders im Raum Linz, der heilige Donatus bei Unwettern angerufen. Donatus verdankt seine Funktion seinem Namen, der an den Donner erinnert.
Die frĂŒhchristlichen MĂ€rtyrerbrĂŒder Johannes und Paul wurden zu der Zeit enthauptet, in der das Getreide reif ist (26. Juni). Sie werden mit Schwert oder Getreidegarbe dargestellt.

Gegen Krankheiten: St. Veit und St. Valentin:
Valentin von RĂ€tien war Diözesanpatron von Passau. Herzog Tassilo ließ 764 seine Gebeine in die Passauer Stephanskirche bringen. Sein Name „valens“ bedeutet gesund und stark. Er war Patron fĂŒr Epilepsie, Gicht, KrĂ€mpfe und alle „hinfallenden“ Krankheiten. Sein Patronat verdankt er seinem Namen Valentin, den man mit dem Fallen gleichsetzte. Als Votivgaben brachte man Tonkopfurnen mit neunerlei Getreide. Veit war fĂŒr dieselben Krankheiten verantwortlich wie Valentin, dazu noch fĂŒr den „Veitstanz“ (Epilepsie). Ihm wurden schwarze HĂŒhner als Votivgabe gebracht.

Weibliche TrinitÀten: Die drei hl. Madln:
Schon bei den Kelten erschienen die Matronen oder MĂŒtter oft in Dreizahl, ebenso die germanischen Schicksalsgöttinnen Urd, Verdani und Skuld. In christlicher Zeit waren drei „Göttinnen“ in Tirol als Ambet, Querbet und Wilbet am Dom zu Worms als Embede, Warbede und Willebede, am Dom zu Straßburg als Einbetta, Worbetta und Wilbetta bekannt.

AuffĂ€llig ist die Endung- bete, die sich auch in Ortsnamen findet, z.B. in Zell am Pettenfirst. Auch in dieser Kirche stehen am Altar drei heilige Frauen: Afra, Maria und Magdalena. Normalerweise sind die drei heiligen Madeln bei uns jedoch Margaretha, Barbara und Katharina. Ein Spruch, der auch ihre Attribute mit einbezieht, heißt: „Die Gretl mit dem Wurm, die Wettl mit dem Turm, die Kathi mit dem Radl, das sind die 3 heiligen Madl.“

Der geheimnisvolle Koloman:
Er spielte bei den Kolomanisegen im Volksglauben eine wichtige Rolle. Bei seinen Kirchen, z.B. am Kolomansberg bei Mondsee, fanden oft urtĂŒmliche Kulte mit Fackeln und Schwertern statt und Heilbrunnen waren in der NĂ€he zu finden.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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