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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


MAGIE UND ZAUBEREI IM ALLTAGSLEBEN

Abwehrzauber

Vermutete man bösen Zauber, so griff man oft auch zu Mitteln, die nicht dem christlichen Bereich entstammten. Gegen den schon in der Antike gefĂŒrchteten Bösen Blick, gegen das Aussenden krankmachender Strahlen durch die Augen, schĂŒtzte man sich durch Neidfeigen oder Verschreifeigen. Als Ursache fĂŒr die Behexung vermutete man oft den Neid. Auch zuviel Loben sah man als Ausdruck des Neides und es musste „berufen“ oder „beschrien“ werden. Die Formeln „unberufen“ oder „etwas verschreien“ stammen aus diesen Vorstellungen. Gegen das Verneiden oder Verschreien sollte die Neidfeige schĂŒtzen. Es handelt sich dabei eigentlich um eine obszöne Geste, die den Geschlechtsverkehr symbolisiert. Die Feige stand stellvertretend fĂŒr die weiblichen Geschlechtsorgane und war wie der Phallus ein Abwehrzeichen gegen DĂ€monen. Zeigte man einem angreifenden Hund diese Geste, konnte man ihn bannen.

Auch die Sator-Formel hatte die Macht DĂ€monen abzuwehren, aber auch Feuer zu löschen und vieles mehr. Die magische Buchstabenkombination ist mindestens 2000 Jahre alt und ihr Sinn noch immer umstritten. Die Worte wurden als „Der SĂ€mann Arepo hĂ€lt mit MĂŒhe die RĂ€der“ oder „Der SĂ€mann hĂ€lt den Pflug, der Arbeiter die RĂ€der“ ĂŒbersetzt. Durch eine Umstellung ergibt sich aber auch „Satan, gib den Schatz zurĂŒck“. In Kreuzform geschrieben, werden die Buchstaben zum Anfang des Vaterunser.

Eine Kunst der Wender und Anbraucher war das Anbinden, Anbannen oder Anfrieren. Sie konnten oft Gespanne anbinden, sodass man die Pferde nicht mehr vom Fleck bringen konnten. Wusste der Fuhrmann aber, welche Speiche der Wagner zuerst gemacht hatte, konnte er diese abschlagen und weiterfahren. Durch einen Analogiezauber brach er dabei auch den Fuß des Anbanners.
Das Anbinden wurde auch gegen Diebe angewandt. Hierbei lag der Glaube zugrunde, dass man einem anderen durch Zauber die Seele entlocken könne, worauf der seelenlose Leib reglos stehen bleiben mĂŒsse. Der Banner mĂŒsse ihm dann die Seele wiedergeben, indem er den Bann löste. War der Gebannte zauberkundig, konnte er vielleicht selbst den Bann lösen, indem er die Schuhe aus- oder verkehrt herum anzog. Auch das Ausziehen des Gewandes und das RĂŒckwĂ€rtsgehen werden als Mittel, den Bann zu lösen, genannt.

Ein solcher „Diebssegen“ war der Kolomani-Segen, den man z.B. in Altenhof am Hausruck verwendete, besonders weil die Kirche diesem Heiligen geweiht ist. Man hielt durch diesen Spruch den Dieb auf einer Stubenbank fest, oder er musste innerhalb des Zaunes stehen bleiben. Löste man ihn vor Sonnenaufgang nicht aus dem Bann, verbrannte er. Die Formulierungen in manchen „Diebsbannsegen“ waren zutiefst heidnisch und daher wurde diese Praktik von der Kirche verboten.

Wollte man den Namen des Diebes herausfinden, gab man in Schwanenstadt einen SchlĂŒssel in ein Buch, sodass die obere HĂ€lfte herausragte. Dann hĂŒllte man das Buch in ein Tuch ein. Der herausragende Griff des SchlĂŒssels wurde zwei Personen auf die Zeigefinger gelegt. Diese nannten heimlich den, den sie in Verdacht hatten, den Diebstahl begangen zu haben, mit Tauf- und Zunamen. Dies tat man so lange, bis sich der SchlĂŒssel im Buch umdrehte und das Buch zu Boden fiel. Der in diesem Augenblick genannte Name war der des Diebes.

Wollte man Gestohlenes zurĂŒckbringen, schreckte man selbst vor Teufelsanrufungen nicht zurĂŒck. Mit Feuer, Salz und einem Pflugrad rief man den Dieb in Teufels Namen auf, das Gestohlene sofort zurĂŒckzubringen. Auch mit drei NĂ€geln aus einer Totenbahre, die man in ArmensĂŒnderschmalz (aus den Leichen Hingerichteter) geschmiert hatte, wollte man den Dieb zwingen, das Gestohlene zurĂŒckzubringen. Ebenso sollte das Drehen von WagenrĂ€dern flĂŒchtige Diebe zurĂŒckholen, je schneller man drehte, desto schneller musste der Dieb zurĂŒcklaufen.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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