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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


SCHWARZE MAGIE

Die Hexe

Zu den der Hexe vorgeworfenen Taten gehörten das TeufelsbĂŒndnis und die Teilnahme am Hexensabbat, zu dem sie am Besen flog. Dort wurden Orgien abgehalten, der Teufel bekam den Afterkuss, Kannibalismus wurde betrieben und der DĂ€mon angebetet. Eines der Ă€ltesten Elemente dabei ist die Luftfahrt, bei der die Hexe in Tiergestalt, auf einem Tier oder Besen reitend, durch die Luft flog. Auch mit Hilfe der Flugsalbe flogen Hexen. Das frĂŒheste Rezept findet man 1456 bei Johannes Hartlieb im „Buch aller verbotenen KĂŒnste“.
 


1. Das Wettermachen
war eine der am meisten gefĂŒrchteten HexenkĂŒnste. Daran, dass man Wetter machen könne, glaubte man schon seit der Antike, die alten Wettergötter wurden aber vom Christentum in DĂ€monen verwandelt. Der Hexenhammer fĂŒhrt an, Hexen ließen Unwetter entstehen, indem sie eine Grube in den Boden machten, Wasser hineingossen und in Teufels Namen darin umrĂŒhrten. Der Teufel hebe dann das Wasser in die Luft und lasse es als Unwetter niedergehen. Dies funktioniere aber nur durch das zuvor geschlossene TeufelsbĂŒndnis. Von Hexen gemachte Unwetter erkenne man daran, dass man in den Hagelkörnern Haare finde.

Verschiedene Prozesse wurden in Oberösterreich wegen des Wettermachens gefĂŒhrt:

Herrschaft Mondsee, 1697/98: Ein 19-jÀhriger Bettler wurde geköpft, sein Körper verbrannt, weil er angeblich Wetter gemacht hatte. Das Richtschwert hat die Geschichte eingraviert.

Braunau, 1699: FĂŒnf „Bettelbuben“ wurden verhaftet, vier gestanden das Wettermachen. Drei wurden geköpft, einer erdrosselt. Nur Joseph Stoiber ĂŒberlebte und wurde 1700 freigelassen.

Neidharting, 1694: Im Archiv des Klosters Lambach erzĂ€hlt ein Brief, dass Margaretha Baumgartinger wegen Magie verhaftet wurde, sie habe ausgesagt, sie hĂ€tte „zwey Wetter und zwar 2 TĂ€g gleich nacheinander mit Regen, Blitz, Donner, WĂŒndt, und clainen RĂŒĂŸlein [
] gemacht, umb hierdurch [
] sowohl dem Traydt alß Obst Schaden zurzufiegen.“

Vorchdorf, 1658: Georg Kaperger, Mitglied der Kapergerbande, einer RÀuberbande, wird wegen Wettermachens mit einem Beutel, den ihm der Teufel gegeben haben soll, verhört.

Wildenegg, 1697: Ein Bettelbub wird wegen „zauberlich gemachten Schauer Wetter“ verhört.

KremsmĂŒnster: Ein des TeufelsbĂŒndnisses Angeklagter bekennt, er habe mit einem Pulver aus Menschenbein, das er ins Wasser geworfen habe, ein Schauerwetter gemacht.


2. Liebes- und Impotenzzauber:
Liebeszauber wurden nicht nur von Hexen angewandt, das Stift St. Florian verwahrt z.B. den Text eines solchen, bei dem man der oder dem Geliebten heimlich Hundeurin zu trinken geben und Bilsenkrautsamen auf den Herd legen soll. Das Anhexen von Impotenz war besonders gefĂŒrchtet, Hexen konnten dies mittels unter der Schwelle des Hauses versteckten Zauberrequisiten oder auch durch das Zuschnappenlassen eines VorhĂ€ngeschlosses:

Obernberg, 1680: Katharina Grabenberger und ihre Mutter ließen wĂ€hrend der Trauung eines Mannes, der der Tochter die Ehe versprochen hatte, ein VorhĂ€ngeschloss zuschnappen. Weil man sie dabei beobachtete, wurden sie verhaftet und gestanden, zum Teil unter Folter, die Tat und die Absicht, den BrĂ€utigam impotent zu machen: Nur das Auffinden des SchlĂŒssels hĂ€tte ihn vom Zauber heilen können. Da der „Verhexte“ keine Wirkung verspĂŒrte, wurden die beiden „nur“ aus dem Gebiet des Landgerichtes verwiesen.

Auch einen Penisdiebstahl traute man Hexen zu, der Hexenhammer berichtet davon, dass Hexen solche gestohlen und in Vogelnester gebracht hĂ€tten „wo sie sich wie lebende Glieder bewegen, Körner und Futter nehmen, wie es von Vielen gesehen ist und allgemein erzĂ€hlt wird“.

Besonders Kinder waren durch Hexen gefÀhrdet, sie vertauschten sie gegen WechselbÀlge oder kochten Salben aus ihnen.


3. Krankheitszauber:

Jede Krankheit bei Mensch und Tier konnte angehext sein, behauptete der Hexenhammer. DafĂŒr wĂŒrden z.B. Beutelchen mit magischen Dingen unter der TĂŒrschwelle vergraben. Immer wieder gab es deshalb Anklagen:

Kainzing bei Kallham, 1759: Elisabeth Pointner wurde verdĂ€chtigt, ihrer Nachbarin ein Augenleiden angehext zu haben, weil sie wiederum diese verdĂ€chtigte, sie hĂ€tte ihr Vieh krank gemacht. Vermutlich hatten tatsĂ€chlich beide Frauen mit Hexerei gedroht. Elisabeth Pointner wurde schließlich aus dem GefĂ€ngnis entlassen, musste sich aber einem grĂŒndlichen Religionsunterricht unterziehen.
Auch das Vieh hielt man oft fĂŒr verhext, ĂŒberhaupt, wenn man Blut in der Milch fand. Hexen könnten, steht im Hexenhammer, Haustiere durch BerĂŒhrung und Blick verhexen. Man mĂŒsse, um den Zauber zu lösen, das „Hexenzeug“ unter der Schwelle suchen. Man könne auch eine lebende Kröte in einem SĂ€ckchen am Getreideboden aufhĂ€ngen oder unter dem Kuhbarren vergraben.
Anbraucher machten ein Loch in den Kuhbarren und gaben „Hexengift“ hinein. Verschloss man das Loch wieder, so war die Hexe eingekeilt. Die Frau, die dann in der FrĂŒh als erstes zum Haus kam, war die Hexe. Ob es sich um Zauber- oder Gegenzauber handelte, musste oft im Prozess erst entschieden werden:

Landgericht Mondsee, 1803: Der 63-jĂ€hrige Veit Auffanger wurde wegen Hexerei und Anwendung von aberglĂ€ubischen Mitteln festgenommen. In seiner Wohnung fand man Salben, Pulver, Wurzeln, Beeren, 22 StĂŒck WĂŒnschelruten, Segen, Schluckzettel und Gebete. Er gab an, nur Gegenzauber bei Verhexungen angewandt zu haben und wurde gegen Versprechen das „alberne Gezeug“ zu lassen und einen ehrbaren Lebenswandel zu fĂŒhren, frei gelassen.
 

4. Milchdiebstahl und Butterzauber:

Im Hexenhammer wird beschrieben, wie sich Hexen versammeln und mit einem Melkeimer zwischen den Beinen aus einem in die Wand gesteckten Messer unter Teufelsanrufung Milch melken. So wĂŒrde die Milch von KĂŒhen in der Nachbarschaft gestohlen.

Wilding bei Wolfsegg, 1682: Der Schmied zu Wilding erzĂ€hlte, eine Frau aus dem Ort sei zu ihm gekommen, um sich eine eiserne Kette zum Heimbringen einer Föhre auszuleihen. ZurĂŒck bekommen habe er die Kette zur HĂ€lfte verbrannt. Er vermute, dass sie mit der glĂŒhenden Kette den ButterkĂŒbel ausgebrannt hatte. Dies hielt man damals fĂŒr eine Methode des Milchzaubers. An diesem Tag sei auch seine Kuh im Stall ganz wild geworden und weder er noch das Kalb hĂ€tten von ihr Milch bekommen.

Rakering, Wolfsegg, 1687: Susanna Hutterin wurde des Butterzaubers verdĂ€chtigt, weil sie in der Sonnwendnacht Butter gerĂŒhrt habe.

Ottnang, 1648: Susanne Lachnerin hatte angeblich die Kirchenglocken mit Butter geschmiert, um bei ihren KĂŒhen einen höheren Milchertrag zu haben. Ihr Wissen darĂŒber, sagte sie aus, hĂ€tte sie vom Wirt in Ottnang, der wiederum habe es vom Halter in Puchheim. Der Wirt habe sie schon vor drei Jahren in den Turm zum Glockenschmieren geschickt. Er habe daraufhin soviel Butterschmalz gehabt, dass er es nach Wolfsegg und Aspach verkaufen konnte.

Thalheim, Schöndorf, Landgericht Wartenburg, 1668: Der 36jĂ€hrige Georg Kofler schmierte die Glocken von Schöndorf und Thalheim mit Butter, damit seine KĂŒhe besser Milch geben. Gelehrt hĂ€tte es ihn seine Stiefmutter, die das Wissen vom Wochenmarkt in Vöcklabruck mitgebracht habe.

In Verbindung mit dem Milchzauber stand auch das wichtigste Hexentier, die Kröte (Höpping, Hepping, Broatling). Im Volksglauben, hieß es, man solle sie auf eine Haselgerte spießen, man glaubte, sie spritze Gift und nannte sie „Luada“. Als Hexentier trug sie auch den Namen „SchmalzbĂ€urin“ weil sie fĂŒr die Hexe Schmalz spie. In anderen Sagen speit sie auch Eier, Butter, Mehl usw. Die Kröte produziert diese Dinge aber nicht selbst, sondern sie werden anderswo gestohlen.


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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