Forum OÖ Geschichte

Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


VOLKSFRÖMMIGKEIT

Wallfahrten

Unter Wallfahrt versteht man das gemeinsame oder auch einzelne „Wallen“ (Gehen, Pilgern) zu einem Gnadenbild. Dieses ist fĂŒr gewöhnlich wundertĂ€tig und das Ziel der Wallfahrt ist z.B. ein Gelöbnis oder eine Bitte. Am Wallfahrtsort muss dann eine bestimmte religiöse Handlung vorgenommen werden.
Wallfahrtsorte entstanden auch oft an alten KultplÀtzen, bei Quellen, BÀumen und Steinen.
Obwohl sich schon der heilige Hyronimus um 400 gegen die „Steinanbeter“ wandte und Karl der Große um 800 kultische Mahlzeiten in Zusammenhang mit der Verehrung von BĂ€umen und Quellen unter Strafe stellte, hielten sich diese Kulte doch hartnĂ€ckig. So arrangierte sich das Christentum mit ihnen und baute seine Kirchen und Kapellen auf die alten HeiligtĂŒmer.

Quellen
waren immer zuerst da, es war das Heilwasser, das die Menschen anzog. In Andrichsfurt steht die BrĂŒndlkapelle zu Maria Pötting, am Kolomansberg bei Mondsee ist eine Quelle fĂŒr Fuß- und Augenkranke, in St. Thomas bei Pattigham war bis 1784 eine Wallfahrtskirche bei einer heilkrĂ€ftigen Quelle. Das HeilbrĂŒndl in Gaspoltshofen versiegte, weil ein Bauer seinem Pferd darin die Augen wusch. Das Pferd konnte wieder sehen, doch der Bauer erblindete und die Quelle verlor ihre Heilkraft.
 

BĂ€ume
wurden als Symbol des Lebens gesehen. In Antiesenhofen gab es HĂ€user beim heiligen Baum, der Ortsname Heiligenbaum bei Lambrechten weist auf einen solchen hin und in Maria Aich bei AurolzmĂŒnster ist der Baum mit einer Höhe von vier Metern und einem Umfang von fĂŒnf Metern noch immer im Inneren der Kapelle zu finden. In Maria Feichten bei Hohenzell dagegen ist der Baum verschwunden, weil Wallfahrer immer SpĂ€ne von ihm mitnahmen. Die Kapelle wurde besonders bei Augenleiden besucht.

Steine:
„Heilige“, schon von alters her verehrte Steine findet man besonders im MĂŒhlviertel, aber auch im Inn- und Hausruckviertel dĂŒrften „heilige Steine“ verehrt worden sein. Bei der Wallfahrtskirche St. Agatha gab es „HeiligensteinhĂ€user“. Bei Aspach, bei der roten Kapelle gegen den Grindelsberg zu, soll es eine SteinsĂ€ule gegeben haben, die der Fruchtbarkeit von kinderlosen Paaren dienlich war. Auch im Redlalmgebiet, etwa 200 Schritte von der AlmhĂŒtte entfernt, stand frĂŒher ein Lochstein, der heilende KrĂ€fte fĂŒr HĂ€nde und FĂŒĂŸe, die man in das Loch steckte, hatte. Er steht heute an einer kleinen Nebenstraße in Hausrucked.
 

Seltsame Heilige:
Um Wallfahrten und Kirchen ranken sich oft fast skurrile Legenden. So soll das Marienbild in Ampflwang beim PflĂŒgen gefunden worden sein. Es wurde zuerst in Atzbach verehrt und erst vor 200 Jahren nach Ampflwang ĂŒberbracht. Als es an einem brennenden Haus vorbei getragen wurde, erloschen die Flammen.

Nicht so freundlich war das Marienbild, das einmal auf dem Urtlfeld in Geboltskirchen stand. Als um 1870 der damalige Förster Martinowitz aus der Simmering von der Tochter des Geboltskirchner Gastwirtes Juli Wagner abgewiesen wurde, schoss er im Zorn auf das Marienbild. Zwei Kugeln durchschlugen die rechte Wange der Muttergottes. Kurze Zeit spĂ€ter bekam der Förster an der rechten Wange ein GeschwĂŒr, an dem er nach vierjĂ€hrigem Leiden starb. Das Bild befindet sich heute in der Kirche BruckmĂŒhl, eine Kopie am Dreiherrenspitz.
 

Viel EntrĂŒstung erregte in der Zeit der AufklĂ€rung eine Mariendarstellung in der Wallfahrtskirche zu Eberschwang. Schon seit 1448 bestand diese Wallfahrtskirche und war 1684 von Graf Tattenbach erneuert und mit zwei TĂŒrmen versehen worden. Sie war „Unser Lieben Frau FĂŒrbitt“ geweiht. In der Halle des Altarraumes waren links und rechts Grotten. In der einen war ein Vesperbild und eine Christusstatue, aus deren Wunden Wasser floss. In der linken Grotte aber befand sich der Stein des Anstoßes, ĂŒber den sich besonders die AufklĂ€rer ereiferten. Es war eine Marienstatue, aus deren BrĂŒsten das Heilwasser floss. Diese Figur verschwand leider beim Abriss der Kapelle zwischen 1801 und 1804. Die Christusfigur aus deren Wunden einst Heilwasser floss, ist, schwer beschĂ€digt und ohne Kopf, noch in der Kirche Eberschwang zu sehen.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

© 2020