Neues Buch von Ewald Ratzenböck, Erscheinungstermin: Anfang Mai
Ratzenböck, Ewald: Bauernaufstände im Land ob der Enns 1595 – 1626, Innsalz Verlag, Munderfing 2026.
ISBN 978-3-903496-56-9
Anfang Mai erscheint ein neues Buch zu den Bauernaufständen im Land ob der Enns 1595 – 1626 von Heimatforscher Ewald Ratzenböck aus Taufkirchen an der Pram:
Der Autor stellte sich am Beginn dieses Buchprojektes die Frage, warum sollen wir uns mit Menschen beschäftigen, die vor vierhundert Jahren gelebt haben? Vielleicht, weil sich unsere Vorfahren an der Schwelle zur Neuzeit ähnlich wie wir im 21. Jh. durch eine große Epochenwende kämpfen mussten, die ihnen alles abverlangte und ihnen Verunsicherung, Leid und Elend brachte, nur für wenige auch Reichtum.
Spaltung der Gesellschaft, religiöser Fanatismus, Krieg, soziale und ökonomische Verwerfungen sind nicht nur Probleme unserer Gegenwart. Das alles bildete auch den Hintergrund jener Zeit, in der es innerhalb von 30 Jahren zu zwei Bauernerhebungen kam, die Gegenstand dieses Buches sind. Ein tiefgreifender Wandel zeichnete sich ab. Die Menschen standen an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter, von uns als Neuzeit bezeichnet.
400 Jahre nach dem Kampf unserer Vorfahren begibt sich der Autor auf die Suche nach Antworten, warum einerseits die Tiroler Bauern als Helden gefeiert werden, andererseits jedoch oberösterreichische Bauern wie Stefan Fattinger [1] und Christoph Zeller auf eine Stufe mit Rebellen und Räuberhauptleuten gestellt werden! Die Antworten darauf sollen, auf Basis der jahrelangen Forschungen von Universitätsprofessor Felix Stieve und von Julius Strnadt, Richter am Oberlandesgericht Linz, gefunden werden. Beide Historiker haben eine unglaubliche Fülle von Quellen und Fakten untersucht und dokumentiert, von denen hier besonders charakteristische Ereignisse auszugsweise, aber immer mit genauer Quellenangabe, eingebunden sind. Für den Autor war es keineswegs das Ziel, Stefan Fattinger zum „Helden“ und seinen Gegenspieler Graf Adam von Herbersdorf zum „Bluthund“ zu erklären! Nein, beide werden im Buch so objektiv wie möglich dargestellt.
Meilensteine in der Entwicklung zwischen den Aufständen von 1595 und 1626 waren der „Bruderzwist im Hause Habsburg“ und der daraus entstandene Aufstand in Böhmen mit seinen Auswirkungen auf das Land ob der Enns. Das Buch erzählt uns von der Lage im Land ob der Enns vor dem Aufstand und der Verpfändung des Kronlandes „Österreich ob der Enns“. Im Kern des Buches werden zentrale Personen beleuchtet, es sind dies Kaiser Rudolf II., Kaiser Ferdinand II., Kurfürst Maximilian von Bayern, Adam Graf Herbersdorf, ihr Gegenüber Bauernhauptmann Stefan Fattinger mit Christoph Zeller und Erasmus Georg Tschernembl, der protestantische Führer der Stände.
Der Bauernaufstand des Jahres 1626 ist ein Meilenstein in der inneren Entwicklung des Erzherzogtums Oberösterreich, aber auch ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte des Protestantismus und der Gegenreformation. In der Geschichte Europas war der Bauernaufstand ein nicht unwesentliches Ereignis am Rande des Dreißigjährigen Krieges. Mit dem Erschließen wichtiger Quellen und dem Einbinden von zuverlässigen Forschungsergebnissen dutzender hervorragender Historiker, deren Werke oft schwer zugänglich sind, wird hier Wesentliches dauerhaft in einem Buch verfügbar. Anhand der unzähligen Quellenangaben und Verweise ist es dann dem Leser überlassen und möglich, noch tiefer in die Materie einzudringen.
Das Buch birgt auch eine wahre Sensation! Prof. Dr. Volker Fadinger hat den Beitrag eines Forschungsprojektes zu den Nachkommen des Bauernführers Stefan Fattinger von 1626 für dieses Buch zur Verfügung gestellt. Dr. Fadinger schaffte es, mittels molekulargenetischer DNA-Analyse, das seit 1627 (!) ungeklärte Rätsel zum Schicksal der Witwe und der Kinder des Stefan Fattinger zu lösen. Durch Verbindung der geisteswissenschaftlich-historischen Methode der Quellenkritik mit der naturwissenschaftlich-medizinischen Methode der Abstammungsgenetik durch eine DNA-Analyse ist es gelungen, die Weiterentwicklung der Nachkommenschaft des Stefan Fattinger (†1626) von Parz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu klären.
Ewald Ratzenböck, 2026
[1] FATTINGER: Anmerkungen zur Schreibweise des Familiennamens im Kapitel „Biografien“
Historische Forschung soll nicht moralisch urteilen, sondern rekonstruieren und verstehen, was in einer bestimmten Zeit tatsächlich geschah; Menschen aus ihren eigenen historischen Voraussetzungen heraus erklären.
Deshalb ist dieser Text auf der Rückseite des Buches dem Autor auch ein besonderes Anliegen:
Wenn Sie, liebe Leser, in diesem Buch sehr viel über die Verzweiflung der Bauern, aber auch über die von beiden Seiten verübten Grausamkeiten lesen, so möchte ich auf einen besonders wichtigen Grundsatz der Geschichtswissenschaft hinweisen, demzufolge jedes Zeitalter nur aus ihm selbst zu beurteilen ist. Vielleicht gelingt es Ihnen, sich in das Fühlen und Denken der Menschen dieser Epoche hineinzuversetzen. Es wäre grundfalsch, die Maßstäbe unseres Jahrhunderts, die womöglich von folgenden Generationen verworfen werden, zur Beurteilung der Vergangenheit anzulegen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet können Sie, liebe Leser, dieser Epoche des Umbruchs, der Reformation und Gegenreformation und der Bauernaufstände nach beiden Seiten hin das richtige Verständnis entgegenbringen.
Dazu der Verweis auf Aristoteles, einem der bekanntesten und einflussreichten Philosophen und Naturforscher der Geschichte: Aristoteles, Staatsverfassung der Athener, Kap 9, § 2. Methodisch bekennt sich Aristoteles hier zu dem Prinzip, das der Universalhistoriker Ephoros von Kyme bei der Streitfrage über die Priorität der karthagischen bzw. kretischen Verfassung befolgte: „Aus den jetzigen Verhältnissen dürfe man nicht auf frühere Zustände schließen“: Ephoros, FGrHist F 149 § 17 (Fragmente der griechischen Historiker).