Geschichte wird im wahrsten Sinn des Wortes geschrieben. Daher braucht ihre Darstellung ein Medium, um zu bestehen und weitergegeben zu werden. Zeitschriften sammeln kürzere Beiträge und bilden das ideale Scharnier zwischen Forschenden und einer interessierten Leserschaft.
Seit 1998 gibt es den „Bundschuh“ als „Schriftenreihe des Museums Innviertler Volkskundehaus“. Heuer ist der 28. Band erschienen. Die Geschichte des Inn- und Hausruckviertels wäre ohne diesem Werk wesentlich unbekannter und weniger bunt.
Sigi Kristöfl und Elisabeth Kreuzwieser von der ARGE Regional- und Heimatforschung & Verbund OÖ Museen besuchten die Präsentation, die immer auch ein prominentes Treffen regionaler Expert:innen darstellt, um mit Verantwortlichen und einigen Autor:innen ins Gespräch zu kommen. Ziel war es, Eindrücke zu sammeln und Kolleg:innen zu befragen: Wie beeinflusst die Publikationsmöglichkeit die Forschungsarbeit? Wie arbeitet das Redaktionsteam? Wie entwickelt sich die Reihe, wie lebendig ist die Szene und wo liegen die Grenzen der Bände?
Die nachfolgenden Kurzbeiträge bieten einen Einblick in diese Gespräche.
REDAKTIONSTEAM
Sieglinde Frohmann, Leiterin der „Bundschuh“-Redaktion, der Kulturabteilung der Stadt Ried und des Museums Innviertler Volkskundehaus, Ried im Innkreis
„Uns wurde prophezeit, dass wir nach dem Dreier-Band keine Beiträge mehr bekommen werden. Das ist aber nicht eingetroffen!“
Am Ende der Präsentation des 28. „Bundschuh“-Bandes gab es Standing Ovations und warmherzige Abschiedsworte für Sieglinde Frohmann. Man kann die Schriftenreihe als ihr ganz wichtiges Lebenswerk bezeichnen oder auch liebevoll als „ihr Baby“. Sie entstand in der Tradition einer Beilage der Rieder Volkszeitung mit regionalkundlichen Inhalten. Das Redaktions- und Autor:innen-Team erhielt Unterstützung vom Verleger Hugo Moserbauer, der die ersten Bände produziert hat. Bei allem persönlichen Engagement war klar, dass ein langfristiges Bestehen nicht ein Personenkreis, sondern nur eine Institution wie das Stadtmuseum garantieren könne. Auch der Titel war naheliegend und die Ausweitung der Schriftenreihe auf das Inn- und Hausruckviertel eine kluge Entscheidung. Die Buchform war eigentlich ein Publikumswunsch und alle Beteiligten möchten, solange es geht, dabei bleiben. Autor:innen schätzen auch, dass das Redaktionsteam überparteilich und unabhängig von politischen Interessen arbeiten kann. Durch das „Bundschuh“-Projekt ist ein großes Netzwerk innerhalb der regionalen Forscher:innen-Szene entstanden, die den Austausch im Rahmen von Stammtischen untereinander aber auch mit der Leserschaft sehr schätzt. Daher ist es Sieglinde Frohmann auch wichtig, dass es bei jeder Präsentation Raum für eine Vorstellung der einzelnen Autor:innen und Beiträge gibt. Somit wird es dem Publikum erleichtert, mit den Autor:innen ins Gespräch zu kommen.
Sieglinde Frohmann empfindet selbstverständlich Wehmut über das Ende der Redaktionsleitung, weiß aber das Redaktionsteam sehr gut aufgestellt und wird weiterhin in treuer Verbindung bleiben, unterstützend und vielleicht auch schreibend.
Peter Fußl, Redaktionsmitglied, Heimatforscher, Autor, Ort im Innkreis
„Die Redaktionsarbeit für den „Bundschuh“ ist eines meiner größten Hobbies, die ich habe.“
Peter Fußl war als Geschichte-Lehrer prädestiniert, vom Anfang an Teil des Redaktionsteams zu werden. Begonnen hat seine Mitarbeit aber als Autor. Die Beiträge gehen seither im ersten Weg immer über seinen Schreibtisch. Relativ bald stellten sich die noch immer gültigen Qualitätskriterien heraus: Dazu gehören genaue Quellenangaben und eine klare Lesbarkeit. Die Bildredaktion erweist sich als schwierigster Teil. Oft sind Fotos nicht gut aufgenommen oder als Druckvorlage untauglich. Er bedauert den Abschied von Sieglinde Frohmann, weiß aber, dass das verjüngte Team gut eingeschult wurde und motiviert an den kommenden Jahrgangsbänden arbeiten wird.
Nicole Mahr, Redaktionsmitglied, Mitarbeiterin im Museum Innviertler Volkskundehaus, Ried im Innkreis
„Wir hatten heute die Präsentation vom Band 28 und knüpfen jetzt bereits Kontakte für die nächste Ausgabe. Die Leute kommen auf uns zu und sagen: Wir hätten wieder was!“
Nicole Mahr stieg schon kurz nach ihrem Arbeitsbeginn im Museum Innviertler Volkskundehaus in das Redaktionsteam ein. Die Hauptaufgabe besteht im Redigieren der eingereichten Beiträge. Dazu gehören Korrekturen, Formatierungsaufgaben und gegebenenfalls auch Kürzungen. Ein wichtiger Punkt ist die Einhaltung der Qualitätsstandards beim Fotomaterial. Das Team unterstützt die Autor:innen, pflegt dieses Netzwerk und freut sich auf jungen Nachwuchs. Die Themenwahl ist frei. Inhaltsvorgaben oder Auftragsarbeiten sind die Ausnahmen unter den Artikeln. Schlussendlich erstellt die Redaktion die Auswahl für jeden Band und achtet dabei auf die passende bewährte Mischung. Der Erfolg der Präsentation und der Verkauf bestätigen diesen Weg. Das unternehmerische Risiko des „Bundschuh“ trägt die Agentur Hammerer, mit der die Zusammenarbeit auch reibungslos und professionell verläuft.
AUTOR:INNEN
Gottfried Gansinger, Autor, Heimatforscher, Schwerpunkt Rieder Zeitgeschichte, Ried im Innkreis
„Ich habe sie nicht gezählt, aber bisher sind es schon sechs, sieben oder acht Beiträge für den „Bundschuh“. Die Zeitgeschichte ist dabei immer im Hintergrund.“
Gottfried Gansinger hat schon viele Artikel für den „Bundschuh“ geschrieben. Er gehört damit zu den geschätzten Stammautoren der Schriftenreihe. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, seine Themen in diesem Forum zu veröffentlichen und dem Innviertler Publikum zu vermitteln. Es ist ihm wichtig, an die grausamen Schicksale und die unendliche Schreckenszeit in der Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern und die Nähe der Verbrechen zu markieren. Auch im aktuellen Band lässt ihn das Thema im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Anton Zeilinger nicht aus. Gottfried Gansinger hat seine ersten Erinnerungen bereits mit zwölf Jahren niedergeschrieben. Bis er aber zum Heimatforscher und Autor wurde, dauerte es noch länger. Ohne den Kontakt zu Sieglinde Frohmann und ihren motivierenden Einfluss wären viele seiner Recherchen nicht veröffentlicht worden.
Julia Hütter, Autorin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Innviertler Volkskundehaus, Ried im Innkreis
„Es ist schön, wenn man seine Recherchearbeit auch als Artikel publizieren und dem breiten Publikum zur Verfügung stellen kann.“
Julia Hütter ist Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin im Innviertler Volkskundehaus. Dessen Leiterin Sieglinde Frohmann motivierte sie zu ihrem ersten Beitrag im „Bundschuh“: Der Jonglierkünstler Joe Ortnes – ein Weltstar aus Utzenaich. Dafür traf sie eine Auswahl aus reichlichem Fotomaterial und einer Sammlung an Zeitungsausschnitten, das aus privaten Händen an das Museum herangetragen wurde. Diese kuratorische Arbeit könnte einmal Basis einer Sonderausstellung werden. Eher realisierbar ist davor ein weiterer „Bundschuh“-Artikel. Eine architekturhistorische Aufarbeitung aktueller Renovierungsarbeiten im Bezirk wäre naheliegend.
Christian Himsl, Autor, Obmann des Innviertler Freilichtmuseums Brunnbauerhof, Andorf
„Anlässlich unseres Jubiläums 30 Jahre Brunnbauerhof war es mein Ehrgeiz, auch im „Bundschuh“ vertreten zu sein.“
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Innviertler Freilichtmuseum Brunnbauerhof reichte Christian Himsl erstmals einen Beitrag ein. Es war ihm sehr wichtig, dass der Brunnbauerhof zu diesem Jubiläum im Bundschuh vertreten war. In seinem Beitrag beschreibt er nicht nur die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Hofgeschichte, sondern auch die Entstehung des Innviertler Freilichtmuseums. Besonders hervorgehoben werden dabei die engagierten Persönlichkeiten der ersten Stunde. 1994 gründeten sie den Verein „Innviertler Freilichtmuseum Brunnbauerhof“ unter der Leitung von Konsulentin Brunhilde Feichtlbauer.
Michael Hohla, Autor, Biologe, Obernberg am Inn
„Ich habe das Glück über biologische Themen zu schreiben. Das ist eher Mangelware aber ein fixer Bestandteil des „Bundschuh“.“
Michael Hohla ist einer der fleißigsten Beiträger für den „Bundschuh“. Er selbst erklärt das bescheiden mit seinem spezifischen fachlichen Schwerpunkt: Es gäbe nicht viele Autor:innen, die über biologische Themen schreiben würden. So sind seine Artikel auch ein wichtiger Teil, das Universum des Inn- und Hausruckviertels zu beschreiben. Dabei hält er die Perspektive immer offen, um Querverbindungen zu Geschichte, Volkskunde, Brauchtum und Medizin darzustellen. Im Austausch mit den Heimatforscher:innen und publizierenden Kolleg:innen erhält er wertvolle Anregungen, die ihn zu interessanten Fragestellungen führen. Es wäre daher ein leichtes, sich allein schon durch die Gespräche bei der Präsentation für die Gestaltung des nächsten Beitrags zu motivieren. Den aktuellen Beitrag widmet der Autor dem „Kren“ unter dem Titel „Heimatlos, samenlos und doch recht Stillvergnügt!“.
BESUCHER:INNEN
Claudia Reischl, Leserin (und Autorin, aber nicht in dieser Ausgabe), Museumsleiterin, Schärding
„Bei der Präsentation des „Bundschuh“ trifft man genau die Leute, die man benötigt und die einen in der Museumsarbeit unterstützen. Die Gelegenheit sich zu vernetzen ist sehr wichtig und einmalig.“
Claudia Reischl leitet das Stadtmuseum Schärding und arbeitet an der Sonderausstellung für das kommende Jahr über „Mysteriöse Wesen und Sanfte Kreaturen – Haifische im Alpenvorland“ – eine Fossilienausstellung. Sie weiß, dass sie hier Leute treffen kann, die sie ggf. unterstützen können. Selbstverständlich ist sie interessiert an jedem „Bundschuh“-Band und an den aktuellen Beiträgen und war auch selbst bereits Autorin. Den Abend der Präsentation in Ried nützt sie gerne, um Persönlichkeiten aus der Museums- und Heimatforschungs-Szene zu treffen und Kontakte zu pflegen. Die Gelegenheit sich zu vernetzen, ist äußerst günstig. Ihr nächster Beitrag, den sie für den „Bundschuh“ einreichen möchte, widmet sich dem Schärdinger Färbermeister Josef Zötl und dessen Verbindungen zu Gutau.
Johann & Magdalena Kalchmair, Heimatforscher und Kleindenkmalforscher, Wels
Das Heimatforscher-Ehepaar kommt seit der allerersten Präsentation vor 28 Jahren jedes Jahr zur „Bundschuh“-Präsentation, die einen Fixpunkt im Jahr und eine wichtige Möglichkeit zum Austausch darstellt. Interessant sind für die beiden vor allem alltagsgeschichtliche Auseinandersetzungen über das Leben der „kleinen Leute“, die abseits großer wissenschaftlicher Abhandlungen für die regionalgeschichtliche Forschung von großer Bedeutung sind.
Hans Hermandinger, Kleindenkmalforscher, Mundartdichter, Waldzell
Hans Hermandinger kam zur „Bundschuh“-Präsentation, weil mehrere Freunde und Bekannte unter den Autor:innen waren. Er ist dem „Bundschuh“ und auch dem „Bundwerk“ aus Braunau sehr verbunden. Für ihn sind solche Veranstaltungen wichtige kulturelle Beiträge, die er gern unterstützt. Selbst engagiert er sich für den Stelzhamerbund und in der Kleindenkmalforschung.
VERLAG
Claudia Dieplinger, Leiterin der Werbe- und Digitalagentur im Verlag Hammerer, Ried im Innkreis
Der Verlag Hammerer trägt das unternehmerische Risiko vom „Bundschuh“. Auch in seinem Portfolio ist diese Schriftenreihe etwas Außergewöhnliches. Die Arbeit mit dem Redaktionsteam verläuft routiniert und die Produktion des Jahresbandes geht Hand in Hand. Es gibt zahlreiche Abonnenten, v.a. auch aus dem Bibliotheksbereich und besonders bei den Präsentationsveranstaltungen werden zahlreiche Exemplare des „Bundschuh“ verkauft.
resümee
Geschichte wird laut einem geflügelten Wort von Siegern geschrieben, aber eigentlich von Historikern. Und in der Antike wusste man, dass es zum Gelingen der Geschichtsschreibung einer Muse namens Clio bedarf. In modernen Zeiten ist der inspirierende Musenkuss das eine, Organisation und Planung das andere. Um eine Schriftenreihe wie den „Bundschuh“ regelmäßig erscheinen zu lassen, müssen einige Räder ineinandergreifen: Motivierte Autor:innen, die Themen aus dem Inn- und Hausruckviertel identifizieren, sie forschend bearbeiten, Quellen recherchieren, Fragen nachgehen und Beiträge verfassen. Eine Redaktion, die ein erstes Feedback gibt, korrigiert, die Artikel zusammenstellt und für die Qualitätsstandards bürgt. Ein Verlag, der das ökonomische Risiko trägt, den Druck und den Verkauf organisiert, die Zahlen im Auge behält. Eine Präsentation, die der Heimatforschung eine prominente Bühne bietet und dem Publikum viele Möglichkeiten, sich auszutauschen und zu begegnen. Schließlich eine Leserschaft, die aus einem treuen Kern besteht und einer Menge an Interessierten, die sich von der Gestaltung und den Inhalten zum Kauf und zur Lektüre anregen lassen. Diese Ebenen vermischen sich mitunter im Kulturleben der Region und verdichten das Netzwerk, das sich um den „Bundschuh“ gebildet hat. Durch diesen lebendigen und unaufhörlichen Austausch (nach der Präsentation ist sozusagen vor der Präsentation!) wird Heimatforschung in der Öffentlichkeit als positiv, unverzichtbar und bereichernd wahrgenommen. Sie kann eine breitere Wirkung entfalten, zum Tagesgespräch werden, Diskussionen anregen und neue Gedanken und Fragen aufwerfen. Geschichte und Geschichtsschreibung sind etwas Lebendiges – und im Inn- und Hausruckviertel vielleicht sogar noch vitaler als in anderen Regionen!
Siegfried Kristöfl, 2025
Der Bundschuh.
Heimatkundliches aus dem Inn- und Hausruckviertel. Verlag Hammerer. Ried im Innkreis 2025.
- Zum Inhalt der 28. Ausgabe
- Erhältlich zum Preis von € 23,90 im Museum Innviertler Volkskundehaus (kultur@ried.gv.at) und beim Verlag Hammerer