Tag der OÖ Regional- und Heimatforschung
Samstag, 30. Mai 2026

Aschacher Veranstaltungszentrum, Aschach an der Donau

Was erzählen uns mauern?

Tagungsnachlese

Bereits zum zweiten Mal fand heuer der Tag der OÖ Regional- und Heimatforschung in Kooperation mit dem Arbeitskreis für Klein- und Flurdenkmalforschung statt. Mit historischer Baukultur und dem damit verbundenen Erbe, das immer im Spannungsfeld von Erhalt und zeitgemäßer Nutzung steht, wurde ein Thema ins Zentrum gerückt, das in beiden Arbeitskreisen verankert ist und ein breites fachliches wie auch öffentliches Interesse weckt. Ziel der Tagung war es, Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten, Expertinnen und Experten zu Wort kommen zu lassen und aktuelle Projekte vorzustellen. Das Interesse war überaus groß: Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten am 30. Mai 2026 in Aschach an der Donau begrüßt werden, dessen historischer Ortskern seit 2005 unter Ensembleschutz steht. Als weiterer Kooperationspartner unterstützte der Verein Lebenswertes Aschach die beiden Verbände bei der Organisation vor Ort.

Grußworte
Zu Beginn der Tagung kam Bürgermeister Dietmar Groiß zu Wort, der u.a. einige Vorhaben und Projekte der Initiative "Zukunft Aschach" vorstellte. Christine Huber, die Präsidentin des OÖ Forums Volkskultur, begrüßte ebenfalls die Gäste und unterstrich die Bedeutung der Forschung für den nachhaltigen Erhalt unseres kulturellen Erbes. Zuletzt präsentierte Obmann Roland Zauner aktuelle Projekte und Tätigkeiten des Vereins Lebenswertes Aschach, u.a. die Dokumentation der Aschacher Kleindenkmäler in der OÖ Kleindenkmaldatenbank und die Herausgabe einer Häuserchronik für Aschach des verstorbenen Alt-Obmanns Adolf Golker, die derzeit in Arbeit ist.

Referate
Den inhaltlichen Auftakt bildete das Leitreferat von Roland Forster, Architekt, Kunsthistoriker und Experte für historische Bauforschung. Er gab einen fundierten Einblick in Methoden, Fragestellungen und Erkenntnismöglichkeiten der Bauforschung, die für die Heimatforschung wertvolle Ergänzungen zu schriftlichen Quellen darstellen. Anhand zahlreicher Beispiele aus ganz Oberösterreich wurde eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der bauhistorischen Analyse steckt.

Im Anschluss folgte ein gemeinsames Referat von Judith Gruber-Schober und Susanne Leitner (beide Bundesdenkmalamt - Landeskonservatorat für Oberösterreich). Unter dem Titel Vom Befund zum Bescheid erläuterten sie die Abläufe von Unterschutzstellungen und beleuchteten die damit verbundenen Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven: Welche Kriterien sind entscheidend? Welche Bedeutung hat der Denkmalschutz für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie für Gemeinden? Und wie werden Entscheidungen im Bundesdenkmalamt getroffen und begründet?

Der darauffolgende Beitrag von Thomas Schwierz kam aus dem Bereich der Kleindenkmalforschung. Er widmete sich den so genannten Arme-Seelen-Löchern – unscheinbare, bauliche Relikte mit volkskundlichem Hintergrund, die eng mit Glaubensvorstellungen vergangener Zeiten verbunden sind.

Podiumsdiskussion
Den Abschluss des Vormittags bildete eine Podiumsdiskussion mit Roland Forster, Brigitte Heilingbrunner, Susanne Leitner und Katharina Ulbrich. Die Moderation übernahm Siegfried Kristöfl. Die Expertinnen und Experten beleuchteten das Tagungsthema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln – vom Umgang mit konkreten Beispielen wie dem von Industriewidmungen umgebenen Renaissanceschloss Aschach über den Denkmalschutz bei der Denkmalpflege bis zu Fragen der Vermittlung von baukulturellem Erbe. Leider mussten Werner Konrad, der einen Beitrag zu aktuellen Entwicklungen in Aschach an der Donau vorgesehen hatte, sowie Veronika Müller vom Institut für Geschichte und Theorie der Architektur an der KTU Linz, ihre Teilnahme kurzfristig absagen.

Die lebhafte Diskussion sowie die zahlreichen Fragen aus dem Publikum bestätigten das große Interesse am Themenfeld und die Aktualität der Fragestellungen.

Exkursionsprogramm
Am Nachmittag bot ein Exkursionsprogramm Gelegenheit zur vertiefenden Auseinandersetzung. Wahlweise konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer Führung in der Pfarrkirche Hartkirchen zum Thema Grabmäler als Kleindenkmäler teilnehmen oder im Rahmen eines Ortsrundgangs Aschach an der Donau und das örtliche Schopper- und Fischermuseum kennenlernen.

Dank
Ein herzlicher Dank gebührt unserem Kooperationspartner, dem Verein Lebenswertes Aschach, der mit zahlreichen Helfer:innen die Organisation vor Ort und das Nachmittagsprogramm für die Tagung übernommen hat. Weiters sei der Direktion Kultur und Gesellschaft des Landes Oberösterreich - Abteilung Kultur herzlich für die Unterstützung gedankt.