Hof- und Familienname – biografische Daten
Fadinger, in dieser Schreibweise ist der Familienname des Bauernhauptmannes im Aufstand von 1626 in die Geschichte eingegangen und daran sollte auch nichts geändert werden. Die Schreibweise entspricht aber nicht jener in den Handschriften der Herrschaften Schaunberg und Stauff. Bei der Angabe der Leistungen im Schaunberger Urbar von 1371 wird entweder das Gut, von dem die Gaben kommen, oder der Untertan, der sie reicht, mit dem Namen genannt. Liegt das Gut, wie die Hueb zu Fatting in der Einschicht, genügt zur eindeutigen Bestimmung die Nennung der Örtlichkeit „Fatting“.
Im Urbar der Herrschaft Stauff-Aschach von 1574 wird unter der Ortsbezeichnung Fatting Steffan daselbst am Walt bey der Stauff als Abgabepflichtiger angeführt. Dieser Stefan war der Großvater des Bauernhauptmannes. Im Urbar 1593-1618 (fl. 204) steht unter Fatting ursprünglich Paullus Fattinger daselbst am Waldt. Bei der Übergabe um 1618 wurde der Taufname des Übergebers unterstrichen und der Taufname des übernehmenden Sohnes Stefan darübergeschrieben.
Diese Schreibweise setzt sich in den frühesten Kirchenbüchern fort. So finden wir im Taufbuch I (1. Jan. 1636 – 31. Dez.1667) der Pfarre Haibach ob der Donau mit dem Eintrag auf fl. 2: den 15. Juny (1636) Joannes (Sohn des) Maurity Fattinger et Apolloniae conjugis. Mauritius = Moritz war der Bruder des Bauernhauptmannes. Und für die Familie vom Gut am Wald bei der Stauff hält sie bis in die Gegenwart.
Stefan Fadinger/Fattinger selbst wurde um 1586 als Sohn von Paullus und dessen Ehefrau Barbara am Hof in Parz geboren. Um 1618 wurde er durch Übernahme Bauer auf dem Gut in Fatting (Parz 5). Vermutlich wurde gleich nach der Hofübernahme geheiratet.
Bayerische Pfandherrschaft und beginnende Gegenreformation
Ferdinand II., Kaiser in Wien, wollte wie schon zuvor in Innerösterreich (Steiermark) die Gegenreformation auf radikale Weise auch im Land ob der Enns durchsetzen. Die weitläufigen Konflikte im Kaiserreich kosteten viel Geld und so kam es, dass Ferdinand II. zur Niederschlagung des Aufstandes der Protestanten in Böhmen schon auf der Rückreise von der Kaiserkrönung in Frankfurt (9. September 1619) mit seinem Cousin, Herzog Maximilian, in München einen „Beistandsvertrag“ abgeschlossen hat. Als sich die Lage in Böhmen zuspitzte, rief er Maximilian zu Hilfe und verpfändete diesem das Land ob der Enns zur Abdeckung der bayrischen Kriegskosten.
Die Spannungen im Land wurden immer größer, vor allem, als im Jahr 1620 Soldaten des Bayernherzogs Maximilian ins Land kamen und in Linz am 16. August sein Statthalter Adam Graf Herberstorff installiert wurde. Am 8. November 1620 kam es bei Prag zur Schlacht am Weißen Berg. Die Protestanten erlitten unter der Führung von Kurfürst Friedrich von der Pfalz eine vernichtende Niederlage. Indirekt betroffen war das Land ob der Enns, weil die protestantischen Ständevertreter des Landes ob der Enns sich vorher mit jenen von Böhmen verbündet hatten.
Die Bauern litten sehr unter den Einquartierungen fremder Soldaten. Sie boten dem Kaiser sogar an, das Geld für die Kriegsschuld aufzubringen, um damit die Pfandschaft zu beenden. Der Kaiser hat sie nicht einmal angehört.
Das zweite Problem war die Bedrückung ihrer Glaubensfreiheit durch die beginnende Gegenreformation. 1624 mussten alle evangelischen Prediger und Lehrer innerhalb von wenigen Tagen das Land verlassen. Aus diesem Grund kam es zu ersten Unruhen in Natternbach und im Mai 1625 zum Aufruhr in Frankenburg, der mit dem als „Frankenburger Würfelspiel“ bekannten Strafgericht endete.
Der Ausbruch
Die Stimmung im Land war schon äußerst angespannt, als ein Jahr später die 25 Mann starke bairische Besatzung von Lembach im Mühlviertel mit Wallfahrern zusammenstieß. Sechs von ihnen wurden von den Bauern erschlagen, die anderen verjagt. In den nächsten Tagen sammelten sich immer mehr Bauern. Sie eroberten Schlösser, um an Proviant und Waffen zu kommen, vertrieben weitere bairische Soldaten aus Märkten wie Rohrbach, Aschach/Donau oder Peuerbach und begannen sich zu organisieren. Fünf Tage später kam es zu einem militärischen Aufeinandertreffen mit dem Statthalter, der von Linz aus ihnen entgegengezogen war, um den Aufstand zu beenden. Die Bauernscharen lagen in Peuerbach in einem Wald oberhalb der Hügelsmühle in eine günstige Stellung. Unter der Führung von Fadingers Schwager Christoph Zeller wurde der Statthalter mit seinen 800 Fußsoldaten und 100 Reitern in eine Falle gelockt und auf der Ledererwiese vernichtend geschlagen.
Die Wahl zum Anführer
Nach diesem Sieg bei Peuerbach wurde Stefan Fadinger zum Oberhauptmann der Bauern südlich der Donau. Er setzte sich für den evangelischen Glauben ein und genoss das Vertrauen der Bauern. Von der Rolle als „Bauernhauptmann“ wollte er anfangs nichts wissen. Er konnte weder schreiben noch lesen und war militärisch nicht geschult. Dennoch wurde er von den Aufständischen zum Anführer gewählt. Christoph Zeller führte dieses Amt nördlich der Donau. Vermutlich war es ein folgenreicher Fehler von Fadinger und den Bauern, nicht sofort dem Statthalter hinterher nach Linz zu ziehen. Herberstorff, der nur mit Mühe von Peuerbach fliehen konnte, gewann dadurch Zeit, um Linz zu befestigen. Spätere Versuche der Bauern, die Stadt zu erobern, scheiterten. In Linz wurde Fadinger schließlich, als er die Stadtmauer entlang ritt, durch Schüsse aus dem Landhaus getroffen und am Bein schwer verwundet. An diesen Vorfall erinnert die so genannte Geißelsäule auf der Linzer Promenade – hier soll Fadinger von der Kugel getroffen worden sein. Am Wundfieber, das sich aus der Verletzung entwickelte, starb er am 5. Juli 1626 vierzigjährig in seinem Hauptquartier in Ebelsberg bei Linz. Letzte Erfolge konnten die Bauern am 18. September 1626 in Neukirchen am Walde gegen die Truppe des Herzogs Adolf von Holstein und am nächsten Tag gegen die aus dem bayrischen Ried/Innkreis bei Haag eingerückten Truppen unter Freiherr von Lindlo in der Schlacht von Kornrödt erzielen.
Militärische Übermacht
Die kaiserlichen Truppen waren zum Großteil an der Grenze zum Osmanischen Reich gebunden, sodass nur geringe Kontingente gegen die Aufständischen im Land ob der Enns gestellt werden konnten. Erst die militärische Intervention durch den Kurfürsten Maximilian I. mittels seines Heerführers Gottfried Heinrich von Pappenheim brachte die Wende zu Ungunsten der Aufständischen. Am 4. November erreichte die kampferprobte Truppe, von Altenfelden kommend, die Stadt Linz. Dann folgten Schlag auf Schlag schwere und für die Bauern äußerst verlustreiche Kämpfe in Emling, in Gmunden/Pinsdorf und am 20. November in Wolfsegg. Am 24. November liefen die letzten Bauernscharen auseinander.
Die Rache der Sieger
Die bei der Linzer Belagerung gefallenen Anführer Fadinger und Zeller wurden in Eferding bestattet. Nach der Befriedung des Landes befahl der Statthalter, die beiden Leichname der geweihten Erde in Eferding zu entreißen und im abgelegenen Seebacher Moos bei Pupping zu verscharren. Fadingers Hof wurde niedergebrannt, seine Frau und die Kinder wurden aus dem Land gejagt. Ihr weiteres Schicksal lag über nahezu 400 Jahre im Dunkel.
Die Rache der Sieger traf aber nicht nur die toten Anführer, sondern alle, die ihnen als erste Gefolgschaft geleistet hatten. Von ihren Winterquartieren in Eferding zogen die Holsteinischen Soldaten plündernd durch den nördlichen Hausruck. Im Stauffer Amt erreichte die Not nach den Plünderungen ein solches Ausmaß, dass sich die Untertanen an den Pfleger von Aschach um Hilfe wandten.
Weitere Anführer
Achaz Willinger von der Au trug nach Stefan Fadingers frühem Tod bis zum bitteren Ende des Bauernkrieges die Verantwortung. Er wurde am 26. März 1627 am Linzer Hauptplatz hingerichtet. Gemeinsam mit ihm starben auch zwei Steyrer Bürger, die beide auf der Seite der Bauern standen: der Stadtrichter Wolf Madlseder - ein überzeugter Protestant - und der Advokat Lazarus Holzmüller. Madelseder soll etwa den Befehl erteilt haben, die Stadttore von Steyr den aufständischen Bauern zu öffnen und diesen Zutritt zur Stadt zu gewähren. Auch Stefan Fadinger war im Jahre 1626 Gast des Wolf Madelseder in Steyr.
Die auf der Seite der Bauern kämpfenden Hans Hausleitner – Pfleger von Parz und Landgerichtsverwalter von Grieskirchen, Hans Vischer, Balthasar Mayr, Tobias Angerholzer, Kilian Haizenauer aus Losenstein und der Stadtschreiber aus Steyregg, Georg Hoffmann, wurden ebenfalls hingerichtet. Der Bauer Hans Vischer aus Eck, Pfarre Natternbach, verweigerte als Einziger, vor der Hinrichtung noch zum katholischen Glauben zu konvertieren.
Stefan Fadingers Nachkommenschaft
Aus einer Todfallabhandlung vom 14. Mai 1627 wissen wir von zwei erbberechtigten Kindern des Stefan Fattinger, die nach dem Landesverweis mit ihrer Mutter in Richtung Regensburg gegangen sind. So vermutete schon der Historiker Felix Stieve, der ein Standardwerk über den Bauernkrieg verfasst hat, dass sich Nachforschungen in Regensburger Archiven vielleicht lohnen könnten. Die Witwe des Bauernführers hatte mit ihren zwei Kindern in Franken, so wie viele Glaubensflüchtlinge aus österreichischen Erbländern, eine Zuflucht gefunden. Die Geflüchteten waren dort höchst willkommen, denn Franken war von den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges schwer betroffen.
Mit Hilfe neuester naturwissenschaftlich-medizinischer DNA-Analyse konnte ein promovierter Mediziner als zertifizierter Sachverständiger für Abstammungsgenetik-Gutachten, im Auftrag von Prof. Dr. Volker Fadinger, den Nachweis der Blutsverwandtschaft der Familie Föttinger, die heute in Franken/Deutschland lebt, mit der großen „Fattinger“-Familie im Raum St. Agatha erbringen.
Mythos Fadinger
Bald nach seinem Tod begannen sich Mythen um Stefan Fadinger zu bilden, die auch Literaten auf den Plan riefen. Sie waren es in erster Linie, die gemeinsam mit der mündlichen Überlieferung das Fadinger-Bild verklärten und verzerrten. Bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts, also in einer Zeit der Gegenreformation in Oberösterreich, tauchten die ersten Fadinger-Lieder auf. Sie erzählten von dem „Helden, der für Glaubensfreiheit und Recht stritt“. Stefan Fadinger wurde zum oberösterreichischen Andreas Hofer. Er lebt im Nachruhm.
Thema und Protagonisten wurden zu manchen Zeiten politisch instrumentalisiert, mussten als Propagandamittel gegen die Habsburgermonarchie, gegen die römisch-katholische Kirche und für „Deutschtum“, Bauernstand und „Volkstum“ herhalten. Waren es zwischen 1933 und 1945 die Nationalsozialisten, so wollten auch die Kommunisten der DDR den Bauernanführer als „Helden im Kampf der unterdrückten Klasse“ feiern.
Dieser Beitrag basiert auf:
Hansjörg Eichmeyer: Stefan Fadinger. Der oberösterreichische Protestantismus im Spiegel der Literatur (Quelle: Evangelisches Museum Oberösterreich, Rutzenmoos) in einer Überarbeitung von Ewald Ratzenböck (2026), Autor des Buches „Bauernaufstände im Land ob der Enns 1595 – 1626“, INNSALZ, Munderfing, 2026, ISBN 978-3-903496-56-9
Anmerkung der Redaktion:
Der Beitrag über Stefan Fadinger zeigt beispielhaft, dass Geschichte und Geschichtsforschung einem ständigen Wandel unterliegen. Gerade Gedenkjahre bieten die Gelegenheit, historische Themen neu zu diskutieren, aktuelle Forschungsergebnisse einzubeziehen und bekannte Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Der ursprüngliche Artikel entsprach nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand. Wir bedanken uns daher herzlich bei Ewald Ratzenböck, der sich intensiv mit den biografischen Spuren Stefan Fadingers sowie den Bauernaufständen auseinandergesetzt und den Beitrag grundlegend überarbeitet hat.
Literaturtipp:
Ratzenböck, Ewald: Bauernaufstände im Land ob der Enns 1595 – 1626, Innsalz Verlag, Munderfing 2026. Zahlr. Abb., 236 Seiten.
ISBN 978-3-903496-56-9
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