Versteckt hinter zwei riesigen Lebensbäumen, die Farbe vom Regen abgewaschen, steht am Straßenrand ein schöner, holzgeschnitzter Christus mit vier Nägeln. Das Kreuz wird umwölbt von einem 43 cm breiten Blechhimmel mit Dachrinnen beiderseits. Eine heitere und eine tragische Geschichte verbinden uns mit diesem Kreuz des Lenzlbauerngutes. Im Jahre 1897 wurde Carl Kramer, der seit 1891 Kooperator von Niederneukirchen war, Pfarrprovisor. Immer schon fürchtete Carl Kramer, dass ihn während der Messe die Christusfigur des Altarkreuzes, das hoch über seinem Kopf schwebte, erschlagen würde. Er hatte jedoch als Kooperator nicht das Sagen, und so gehörte es zu einer seiner ersten Handlungen als Pfarrprovisor, diese "gefährliche Figur" zu entfernen. Seit diesem Tag ist das Altarkreuz leer, und nur mehr die Löcher weisen auf ein ehemaliges Kruzifix hin. Das Alter der Figur wird mit dem Alter des um 1850 errichteten Altares gleichgesetzt und stammt wahrscheinlich wie der Altar vom Bildhauer Franz Liebert aus der Werkstatt Ferdinand Schecks. Die Besitzer des Lenzlbauerngutes kauften den Herrgott, ließen ein Kreuz anfertigen, um es beim Haus aufzustellen. Die Fertigstellung traf nun unglücklicherweise mit dem tödlichen Unfall des 18jährigen Bruders der Bäuerin zusammen, der von einem Pferd getreten worden war. Das Kreuz erhielt an der Unglücksstelle seinen Standplatz. So wurde das Lenzlbauerkreuz nicht nur Andachtsstätte, sondern auch Gedenkstätte.