Eintrag im Steyrer Kalender 1916:
"Gleich vielen anderen Orten unserer deutschen Kronländer haben sich auch in St. Ulrich bei Steyr wackere Männer gefunden, welche zu wohltätigen örtlichen und allgemeinen Kriegshilfszwecken ein großes Holzkreuz in der Form des "Eisernen Kreuzes" errichtet haben, in welches jedermann durch Einschlagen von Nägeln seine Gabe auf dem Opferaltar vaterländischer Liebe legen kann. Der Entwurf des Kreuzes, das die Jahreszahlen 1914 und 1915 sowie die Namen der beiden Kaiser trägt, stammt von dem heimischen Künstler Professor Leo Zimpel und wurde von Tischlermeister Rust in einwandfreier, schöner Form hergestellt. Die feierliche Einweihung und Enthüllung des am Gasthause des Bürgermeisters Josef Mayr angebrachten Denkzeichens an diese große, ernste Zeit fand an diesem Tage um 10 Uhr vormittags statt. Als Festredner wurde der heimische Schriftsteller Professor G. Goldbacher genommen."
Aus dem Gemeindearchiv entnommen ist der Artikel :
Entstehungsgeschichte des "EISERNEN KREUZES" in St. Ulrich.
"Das "EISERNE KREUZ" am Haus Nr. 6 in ST. ULRICH ist wie folgt entstanden:
Um dem Ortshilfsausschuß von St. Ulrich in der Zeit des großen Krieges 1914/1915 eine neue Einnahmsquelle zu erschließen, machte am 7. März 1915 Herr KARL POWISCHER, k. k. Staatsbahnrevident, dem Bürgermeister Herrn JOSEF MAYR den Vorschlag, ein Holzkreuz in der Form des deutschen ,,Eisernen Kreuzes" in größerem Maßstabe nach einem, von ersterem entworfenen, provisorischen Plan anfertigen und selbes mit Eisennägel beschlagen zu lassen, welche zu festgesetzten Preisen abgegeben werden sollen. Herr Mayr begrüßte mit Interesse diesen Vorschlag und berief für 9. März 1915 den Ausschuß zu einer Besprechung ein, zu deren einige Herren von Steyr, welche als Stammgäste bei Herrn Mayr besonderes Interesse für St. Ulrich an den Tag legen, geladen wurden."
Der Ortsausschuß bestand aus folgenden Herren:
Obmann: Hochwürden Herr Johann DERFLINGER, Plarrer St. Ulrich
Zahlmeister: Hochwürden Herr Anton PEHAM, Kooperator St. Ulrich
Schriftführer: Herr Josef RUDOLF, Oberlehrer St. Ulrich
ferner die Herren:
Josef MAYR, Bürgermeister und Wirtschaftsbesitzer St. Ulrich
Hermann BACHTROG, Privat Neuschönau
Peter EDER, Besitzer des Grabenhofergutes Jägerberg
Johann HOFER, Besitzer des Unterstraßergutes St. Ulrich
Franz KERN, Besitzer des Kirnbergergutes Unterwald
Dominik Kindermann, Gemeindesekretär St. Ulrich
Michael Rahofer, Besitzer des Oberstraßergutes St. Ulrich
Johann Leitner, Besitzer des Rahofergutes St. Ulrich
Josef Wohlmuth, Bäckermeister Neuschönau
Bei dieser Sitzung wurde der Ausschuß erweitert und in denselben die nachstehenden Herren gewählt:
Karl Powischer, k. k. Staatsbahnrevident und Hausbesitzer Jägerberg
Franz Grillmayr, Lehrer der k. k. Fachschule für Eisen und Stahlbearbeitung Steyr
August Riegler, Rechnungsbürovorstand der öst. Waffenfabrik Steyr
Karl Muckenhuber, Beamter der öst. Waffenfabrik Steyr
Moritz Schwarz, Beamter der öst. Waffenfabrik Steyr
Hans Nissner, Beamter der öst. Waffenfabrik Steyr
Gustav Staska, Beamter der öst. Waffenfabrik Steyr
Ludwig Rust, Tischlermeister, Neuschönau
Josef Reiss, Eisendreher in der öst. Waffenfabrik Steyr
Anton Wöss, Buchdrucker der Firma Emil Haas & Cie. Steyr
Josef Brandtner, Meßner St. Ulrich.
Der nunmehr erweiterte Ausschuß beschloss, auf den Vorschlag einzugehen und sogleich das Nötige zu veranlassen. Die zu leistenden Arbeiten wurden aufgeteilt. Herr RUST erklärte sich gerne bereit, das Kreuz anzufertigen. Herr Professor Leo ZIMPEL besorgte über Ersuchen in sehr entgegenkommender Weise die Zeichnung in Naturgröße. Die Verzierungen und Einteilung besorgten die Herren POWISCHER und GRILLMAYR und verfertigte letzterer auch die ,,Eisernen Kreuze" und Adler für die Kronen. Das Kreuz wurde von Herrn SONNLEITNER, Hausbesitzer in Neuschönau, grundiert und Herr Maurermeister Josef SCHOPPER besorgte die Einmauerung desselben. Das Gedenkbuch stellte Herr Buchbindermeister Karl STIASNY aus Steyr zur Verfügung. Das Kreuz wurde am 19. März 1915 eingemauert und beanspruchte somit die Ausführung des Beschlusses nur neun Tage. Sämtliche Arbeiten wurden kostenlos geleistet. Die Firma E. P. HOFER in Steyr gewährte bei der Nägellieferung einen Nachlaß von 50%. Der weitere Verlauf ist aus den beigehefteten Zeitungsausschnitten zu entnehmen.
Während der russischen Besatzung (1945/46) war das Kreuz verhängt worden (Sichtschutz), da diese es mit dem zweiten Weltkrieg in Verbindung brachten und darauf schießen wollten (mündl. Josef Mayr).