Nagelkreuz

Stammdaten

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Kategorie:
Denkmaltragendes Objekt
Zustand:
Gut
Ort (Bezirk):
4400 St. Ulrich bei Steyr (Steyr-Land)
Adresse (Ortschaft):
Pfarrplatz 3
Breiten-, Längengrad:
48.021778105161, 14.423824400902 (Navigation starten)
a) Gesamthöhe (ohne Bekrönung):
120 cm

b) Gesamtbreite:
120 cm
AKfKDF_Bemassung_Allgemein_Vereinheitlicht
Inschrift
Inschriftentyp

Monogramm
FJ I


Inschrift
Inschriftentyp

Monogramm
W II


Inschrift
Inschriftentyp

Jahreszahl
1914 1915

Kreuz
Kreuzform

Griechisches Kreuz (mit getatzten Enden)
Tatzenkreuz

Kreuzdarstellung

Kreuz ohne Figur
Das Nagelkreuz war in der Form des eisernen Kreuzes ein Spendekreuz.

Holz
Holz-Art

Eiche

Holz-Technik

gezimmert/getischlert
Die Holzarbeit wurde von Tischlermeister Rust aus der Neuschönau, damals zu St. Ulrich gehörend, gemacht. Eingemauert wurde es von Roman Kimberger.

Errichtung
1915 - 1914

Errichtungsgrund
Anlass mit aktuellem Bezug

Errichtet von einem Komitee zur Unterstützung invalider, aus dem Krieg heimkehrender Soldaten. Man konnte sich verschieden große und teure Nägel kaufen und diese in das Kreuz einschlagen. Damit unterstützte man verwundete Soldaten und Kriegswitwen

Eintrag im Steyrer Kalender 1916:
"Gleich vielen anderen Orten unserer deutschen Kronländer haben sich auch in St. Ulrich bei Steyr wackere Männer gefunden, welche zu wohltätigen örtlichen und allgemeinen Kriegshilfszwecken ein großes Holzkreuz in der Form des "Eisernen Kreuzes" errichtet haben, in welches jedermann durch Einschlagen von Nägeln seine Gabe auf dem Opferaltar vaterländischer Liebe legen kann.  Der Entwurf des Kreuzes, das die Jahreszahlen 1914 und 1915 sowie die Namen der beiden Kaiser trägt, stammt von dem heimischen Künstler Professor Leo Zimpel und wurde von Tischlermeister Rust in einwandfreier, schöner Form hergestellt. Die feierliche Einweihung und Enthüllung des am Gasthause des Bürgermeisters Josef Mayr angebrachten Denkzeichens an diese große, ernste Zeit fand an diesem Tage um 10 Uhr vormittags statt.  Als Festredner wurde der heimische Schriftsteller Professor G. Goldbacher genommen."

Aus dem Gemeindearchiv entnommen ist der Artikel :
Entstehungsgeschichte des  "EISERNEN KREUZES" in St. Ulrich.

"Das "EISERNE KREUZ" am Haus Nr. 6 in ST. ULRICH ist wie folgt entstanden:

Um dem Ortshilfsausschuß von St. Ulrich in der Zeit des großen Krieges 1914/1915 eine neue Einnahmsquelle zu erschließen, machte am 7. März 1915 Herr KARL POWISCHER, k. k. Staatsbahnrevident, dem Bürgermeister Herrn JOSEF MAYR den Vorschlag, ein Holzkreuz in der Form des deutschen ,,Eisernen Kreuzes" in größerem Maßstabe nach einem, von ersterem entworfenen, provisorischen Plan anfertigen und selbes mit Eisennägel beschlagen zu lassen, welche zu festgesetzten Preisen abgegeben werden sollen. Herr Mayr begrüßte mit Interesse diesen Vorschlag und berief für 9. März 1915 den Ausschuß zu einer Besprechung ein, zu deren einige Herren von Steyr, welche als Stammgäste bei Herrn Mayr besonderes Interesse für St. Ulrich an den Tag legen, geladen wurden."

Der Ortsausschuß bestand aus folgenden Herren:
Obmann: Hochwürden Herr Johann DERFLINGER, Plarrer  St. Ulrich
Zahlmeister: Hochwürden Herr Anton PEHAM, Kooperator   St. Ulrich
Schriftführer: Herr Josef RUDOLF, Oberlehrer                       St. Ulrich                     
ferner die Herren:
Josef MAYR, Bürgermeister und Wirtschaftsbesitzer             St. Ulrich
Hermann BACHTROG, Privat                                                Neuschönau
Peter EDER, Besitzer des Grabenhofergutes                       Jägerberg
Johann HOFER, Besitzer des Unterstraßergutes                  St. Ulrich
Franz KERN, Besitzer des Kirnbergergutes                          Unterwald
Dominik Kindermann, Gemeindesekretär                             St. Ulrich
Michael Rahofer, Besitzer des Oberstraßergutes                 St. Ulrich
Johann Leitner, Besitzer des Rahofergutes                          St. Ulrich
Josef Wohlmuth, Bäckermeister                                           Neuschönau

          Bei dieser Sitzung wurde der Ausschuß erweitert und  in denselben die nachstehenden Herren gewählt:

Karl Powischer, k. k. Staatsbahnrevident und Hausbesitzer                         Jägerberg
Franz Grillmayr, Lehrer der k. k. Fachschule für Eisen und Stahlbearbeitung  Steyr
August Riegler, Rechnungsbürovorstand der öst. Waffenfabrik                       Steyr
Karl Muckenhuber, Beamter der öst. Waffenfabrik                                           Steyr
Moritz Schwarz, Beamter der öst. Waffenfabrik                                               Steyr
Hans Nissner, Beamter der öst. Waffenfabrik                                                   Steyr
Gustav Staska, Beamter der öst. Waffenfabrik                                                Steyr
Ludwig Rust, Tischlermeister,                                                                          Neuschönau
Josef Reiss, Eisendreher in der öst. Waffenfabrik                                           Steyr
Anton Wöss, Buchdrucker der Firma Emil Haas & Cie.                                  Steyr
Josef Brandtner, Meßner                                                                                St. Ulrich.

Der nunmehr erweiterte Ausschuß beschloss, auf den Vorschlag einzugehen und sogleich das Nötige zu veranlassen. Die zu leistenden Arbeiten wurden aufgeteilt. Herr RUST erklärte sich gerne bereit, das Kreuz anzufertigen. Herr Professor Leo ZIMPEL besorgte über Ersuchen in sehr entgegenkommender Weise die Zeichnung in Naturgröße. Die Verzierungen und Einteilung besorgten die Herren POWISCHER und GRILLMAYR und verfertigte letzterer auch die ,,Eisernen Kreuze" und Adler für die Kronen. Das Kreuz wurde von Herrn SONNLEITNER, Hausbesitzer in Neuschönau, grundiert und Herr Maurermeister Josef SCHOPPER besorgte die Einmauerung desselben. Das Gedenkbuch stellte Herr Buchbindermeister Karl STIASNY aus Steyr zur Verfügung. Das Kreuz wurde am 19. März 1915 eingemauert und beanspruchte somit die Ausführung des Beschlusses nur neun Tage. Sämtliche Arbeiten wurden kostenlos geleistet. Die Firma E. P. HOFER in Steyr gewährte bei der Nägellieferung einen Nachlaß von 50%. Der weitere Verlauf ist aus den beigehefteten Zeitungsausschnitten zu entnehmen.

Während der russischen Besatzung (1945/46) war das Kreuz verhängt worden (Sichtschutz), da diese es mit dem zweiten Weltkrieg in Verbindung brachten und darauf schießen wollten (mündl. Josef Mayr).

 

 

 

Literaturquelle
alternative Quelle
Gemeindearchiv, Entstehungsgeschichte des "Eisernen Kreuzes" in St. Ulrich
Steyrer Kalender 1916, S.130.
Datenbankerfassung
2021-07
Zikesch Karl
Letzte Überarbeitung
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