Laurentius-Kapelle

Stammdaten

Permalink:
Kategorie:
Einfache Kapelle
Zustand:
Gut
Ort (Bezirk):
4400 St. Ulrich bei Steyr (Steyr-Land)
Breiten-, Längengrad:
48.006330422843, 14.453623743057 (Navigation starten)
a) Gesamthöhe (ohne Bekrönung):
600 cm

b) Gesamtbreite:
410 cm

c) Gesamttiefe:
570 cm
AKfKDF Bemassung Kapelle Vereinheitlicht
Symbol

Auge Gottes
im Zentrum des Giebels der Frontseite ca. 75 cm Rosette mit weißem Putz Rand, verblasst blau, darin Dreieck mit Auge

Besondere Funktion
Bittprozessionsstation
Am Sonntag, der auf den 10. August, also Laurentius, dem Namenspatron der Kapelle, fällt, begibt sich jährlich (seit ca. 50 Jahren) eine Prozession von Gläubigen des Ortes sowie von Gästen von der Pfarrkirche St. Ulrich zur Laurentius-Kapelle, wo dann unter Beteiligung der Ortsmusik eine Laurentius-Messe, die seit ca. 30 Jahren (jetzt also schon min. 50 Jahren), also einer sehr langen Tradition, von einem "Neupriester" zelebriert wird. Die Laurentius-Prozession ist im Archiv der Pfarre mind. bis in das Jahr 1864 nachzuweisen. 1964 wurde die Kapelle zur 100 - Jahrfeier renoviert und erhielt die derzeitige Inneneinrichtung.

Besondere Funktion
Ort für Maiandacht
Die Erstkommunionskinder halten am Abend nach der Erstkommunikationsfeier eine Maiandacht bei der Kapelle ab.
Kapellenausstattung

Altar
Altar aus dunklem Holz, er stammt von der Kapelle des 1976 aufgelassenen Bezirksaltenheimes in St. Ulrich.


Architektonische Besonderheit

Glockentürmchen / Dachreiter
1890 wurde vom Zimmermeister Fuchshuber im Auftrag der Gemeinde ein kleiner Turm aufgesetzt, um eine Glocke aufnehmen zu können. Das leicht geschweifte Pyramidendach ist wie der gesamte Dachreiter mit kleinen Schiefertafeln gedeckt.


Kapellenausstattung

Tabernakel
kleiner , kubischer Tabernakel, mittig auf dem Altar stehend, mit goldgemaltem Balkenkreuz auf der Tür


Kapellenausstattung

Standkerzenhalter
links und rechts je ein Tischkerzenleuchter, sowie je eine metallene (gekupferte) Blumenwanne ca. 50 cm lang


Sakrale Figur
Sakrale Ikonographie

Heiligendarstellung - Hl. Laurentius
hl. Laurentius, auf einer Konsole in einer Spitzbogennische in der Altarwand mit Strahlennimbus, Handwerkszeug in den Händen, eine Schriftrolle/Bauplan in der Rechten, die auch einen Fensterrahmen hält; auf einem halbkreisförmigen, an der Wand befestigten, nach unten zu in einer Stützschräge verlaufenden Sockel gestellt; Figur Höhe ca. 120, Breite ca. 30, Tiefe ca. 35 cm

Material für Figuren

Holz
Annahme....Bestätigung ausstehend


Sakrale Figur
Sakrale Ikonographie

Mariendarstellung - Lourdesmadonna
Die Lourdes-Madonna auf einer Konsole neben der Altarwand; wurde 1913 von Herrn Zeilberger der Pfarre St. Ulrich gespendet und stand dort bis zur Renovierung 1990; hl. Bernadette, in unmittelbaren Nähe, etwas tiefer gesetzt, ebenfalls auf einer Konsole. Auch sie wurde 1913 von Herrn Zeilberger der Pfarre St. Ulrich gespendet und stand dort bis zur Renovierung 1990.

Material für Figuren

Gips
Annahme


Tür
Türsturz

Bogenförmiger Sturz
Spitzbogen, Richtung Norden mit einem ebensolchen ca. 35 cm spitzbogigem Wetterblech versehen

Türblatt

Eisentür - Schmiedeeisentür
zweiflügelig mit Gitter und Glas, mit schmiedekünstlerischer Ornamentik; nach Norden orientiert; siehe Bild.


Fenster
Fensterform

Kielbogen (Spitzbogen)
fix verglast, mit eingemauertem Schmiedeeisenschutzgitter

Fensterfunktion

Belichtung


Sakrales Bild
Material für Bilder

Hinterglas
Profil - Holzrahmen

Sakrale Ikonographie

Heiligendarstellung - Hl. Anna


Kapellenausstattung

Sitzbank
je drei zweisitzige, hölzerne Gebetsbänke an den Seitenwänden; ein portabler Tisch für Andachten im Freien


Sakrales Bild
Material für Bilder

Hinterglas
Profil - Holzrahmen

Sakrale Ikonographie

Heiligendarstellung - Hl. Leonhard


Sakrales Bild
Material für Bilder

Hinterglas
Profil - Holzrahmen

Sakrale Ikonographie

Heiligendarstellung - Hl. Florian


Sakrales Bild
Material für Bilder

Hinterglas
Profil - Holzrahmen

Sakrale Ikonographie

Heiligendarstellung - Hl. Katharina von Alexandrien


Fenster
Fensterform

Rechteckige Fenster mit geraden Sturz

Fensterfunktion

Schallfenster
im Dachreiter, offen, mit Sicht auf die Glocke


Kreuz
Kreuzform

Lateinisches Kreuz (mit Kleeblattenden)

Kreuzdarstellung

Kreuz ohne Figur
Das Giebelkreuz am Glockenturm sitzt auf einem Knauf.

Künstler

Rauch, Klothilde (1903 - 1990)
Die Laurentiusfigur wurde von der Kunstwerkstätte "Chlothilde Rauch" aus Altmünster geliefert/gefertigt (1964).

Mauerwerk
Mauerwerk-Art

Lehmziegel - gebrannt (Ton)
Grundriss sechseckig, an der nordseitigen Eingangsfassade spitzbogige, doppelflügelige verglaste Eisentür, Außenkanten li./re. von zwei Eckpfeilern flankiert, den vorderen Giebel überragend mit blechgedecktem Kreuzdach und Kreuzblume als Bekrönung (Grundriss Quadratisch), Bekrönung ca. 30/33; Mauerstärke Kapelle etwa 50; Turm ca. 300, quadratisch ca. 70x100, frontseitenbündig mit spitz pyramidenförmigen, im unteren Viertel ausgestelltem pagodenartigem Dach; Kapellen/Turmdeckung: Kleintafel Eternit; ca. 75 cm hoher, erhabener, umlaufender Sockel von blaugrauer Farbe; durch ein ebenso umlaufendes, geringfügig vorstehendes Wetterblech geschützt; drei Steinstufen vor dem erhöhten Kapellenraum; Nord-/Eingangsfassade unterhalb des Giebels mit weißem Sägezahnmuster verziert, ca. 30 cm hoch; Turm-/Glockenkasten rechteckige Grundform 2/5:3/5=B:L; Glockenkasten mit Schallfenster der Glocke entsprechend (rechteckig); darunter Inschrift, nicht eruiert

Mauerwerk-Technik

verputzt
Rauputz außen, gelb, Fensterfaschen erhaben, weiß, seitliche Türme weiß Feinputz innen, weiß gegilbt

Errichtung
1884

Votationsgrund
Schutz

Überlieferung: Die Kapelle wurde 1864 von Herrn Willner, Hammerschmied in Steyrdorf errichtet, an Stelle einer bereits bestehenden, welche aus Holz und bereits baufällig geworden war. 1909 wurde von der Gemeinde St. Ulrich der Turm aufgesetzt.

Zwei Sagen ranken sich um die Gründung dieser Kapelle:

Eine berichtet von einem Messerschmid aus Stey,r der am Damberg wilderte.
Als er wieder einmal seiner verbotenen Leidenschaft nachging, trat ihm im finsteren Wald ein Jäger mit einer roten Hahnenfeder auf dem Hut entgegen und fragte ihn mit näselnder Stimme, was er da mache. Es war der Teufel. Der Mann war so erschrocken, dass er aus dem Wald nicht herausfand. Da gelobte er, dort eine Kapelle zu errichten, wo er aus dem Wald käme. Bald darauf stand er auf einer großen, steilen Wiese. Er hielt sein Versprechen und baute die Kapelle an jener Stelle.

Die zweite Sage berichtet von einem Mann in Christkindl, der lange Zeit schwer krank in seinem Bett gelegen ist.
Nachts konnte er keinen Schlaf finden. Wie er so dalag sah er durch das Fenster auf dem Damberg allnächtlich ein Licht. Er gelobte, wenn er wieder gesund würde, an jener Stelle eine Kapelle zu bauen. Er wurde gesund und hielt sein Versprechen. Er wußte aber nicht welchem Heiligen er die Kapelle weihen sollte. Da entschloß er sich die Heiligenlegende aufzuschlagen und die Kapelle jenem Heiligen zu weihen dessen Bild ihm zuerst vor die Augen käme. Es war der Heilige Laurentius (aus Sagen und Legenden von Steyr, Franz Harrer, S. 42).

Geschichte der Lourdes-Muttergottes und heiligen Bernadette:
Diese stammen aus der Pfarrkirche St. Ulrich, wo anlässlich des Renovierungsbeginns (1990) die im Presbyterium befindliche Lourdesgrotte aufgelassen wurde. (Pfarrarchiv St. Ulrich, Schachtel 28, Mappe Kapellen)

Die Laurentius-Kapelle wurde 1864 in der heutigen Form erbaut und im selben Jahr mit Erlaubnis des bischöflichen Ordinariates vom 7. Aug. 1864 vom Ortspfarrer Franz Unterstein feierlich benediziert. Das Ansuchen, in der Kapelle alljährlich eine hl. Messe lesen zu dürfen, wurde jedoch abgewiesen.

1865 wurde ihm mit Datum 6. Juli 1865 diese Erlaubnis erteilt. Er und sein Nachfolger, Pfarrer Ferdinand Greil, suchten nun jährlich um Erlaubnis an.

Mit Schreiben vom 13. Juli 1873 wurde auf Ersuchen von Pfarrer Greil, eine hl. Messe in der Kapelle lesen zu dürfen, auf 5 Jahre erteilt. Zur damaligen Zeit ging die Prozession von der Vorstadtpfarre (St. Michael) weg. Es nahmen neben einer großen Zahl Gläubiger auch mehrere Priester daran teil.

Bau/Renovierungsgeschichte: Pfarrarchiv St. Ulrich, Schachtel 28, Mappe Kapellen

1890 wurde von Zimmermeister Fuchshuber auf die Kapelle ein Turm aufgesetzt, um eine Glocke aufnehmen zu können. Die Kosten beliefen sich ohne Holz auf 80 Gulden. Im selben Jahr wurde bei der Fa. Peterle in Steyr eine 63 kg schwere Glocke gegossen, die kostete 106 Gulden. Diese Glocke musste im ersten Weltkrieg abliefert werden. 1924 wurde eine neue Glocke bei der Glockengießerei in St. Florian angeschafft, Gewicht: 57 kg, Kosten: 3,341.300 Kronen.

Diese Glocke musste im zweiten Weltkrieg abgeliefert werden.

1950 wurde das ebenfalls abgelieferte Geläute der Pfarrkirche erneuert, als Draufgabe wurde die Laurentiusglocke im Gewicht von 60 kg gratis geliefert. Sie wurde am 14. März 1950 bei der Fa. Oberascher in Salzburg gegossen.

Das ursprüngliche Altarbild stellte den hl. Laurentius dar. Es wurde vom Maler "Anton Stern" früher wohnhaft in Christkindl, ab 1890 Hausbesitzer in der Neuschönau, gemalt. In den 1950er Jahren drang ein Geistesgestörter gewaltsam in die Kapelle ein und zerstörte das Bild.

1964, zur 100 Jahrfeier wurde die Kapelle, innen und außen renoviert und die Terrasse vor der Kapelle errichtet;
die Kosten:
Statue hl. Laurentius  10.000,-
ÖS Fußboden               2.490,- ÖS                                                       
Tischlichter, Singer       4.481,- ÖS                                                       
Maurerarbeiten           23.005,- ÖS                                                       
Hilfsarbeiten                  1.674,- ÖS                                                     
Spengler, Gruber           3.910,- ÖS                                                     
Glaser                               379,- ÖS                                                     
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Summe                        45.939,- ÖS

Die Fa. RIHA spendete die beiden Fenster, die Tür und das Geländer für die Terrasse. Auch Robotstunden wurden geleistet. 

          

 

 

Literaturquelle
alternative Quelle
Sagen und Legenden von Steyr, Franz Harrer, S. 42
Pfarrarchiv St. Ulrich, Schachtel 28, Mappe Kapellen
Datenbankerfassung
2021-10
Zikesch Karl
Letzte Überarbeitung
2024-10
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