Gedenktafel Edward Samhaber

Stammdaten

Permalink:
Kategorie:
Denkmaltragendes Objekt
Zustand:
Gut
Ort (Bezirk):
4240 Freistadt (Freistadt)
Adresse (Ortschaft):
Hauptplatz 1 (Freistadt)
Breiten-, Längengrad:
48.511423217353, -345.49492478371 (Navigation starten)
Gedenktafel
Inschriftentyp

Einfache Inschrift
Schrift in goldener Farbe: EDWARD SAMHABER GEBOREN IN DIESEM HAUSE AM 26.DEZEMBER 1846 GESTORBEN AM 27. MÄRZ 1927 IN LINZ DICHTER

Material für Tafeln

Stein - Marmor
Auf die Tafel ist das Haupt von Edward Samhaber herausgemeißelt mit goldener Umrahmung. Der äußere Rahmen der Tafel ist mit verschiedenen Ornamenten verziert.


Inschrift
Inschriftentyp

Einfache Inschrift
Arch. ausgeführt Jos. Linser und Söhne Linz

Jahreszahl
1912

Signatur
F S

Kommentar zu dieser/diesen Inschriften
Schwarz eingraviert unter der Tafel der Hersteller der Gedenktafel. Das Entstehungsjahr ist in einen gemeißelten Lorbeerkranz über dem Reliefbild herausgemeißelt. FS - in einen Kreis gestellt in der Mitte des unteren Tafelrandes ist die Signatur des Künstlers des Rahmens Franz Schiefthalers

Errichtung
1912

Errichtungsgrund
Anlass mit zurückliegendem/historischem Bezug

In Gedenken an den österreichischen Lyriker und Dramatiker Edward Samhaber der in Freistadt geboren ist.

Edward Samhaber
26. Dezember 1846 - 27. März 1927

 

Das Samhaber-Denkmal wurde von Friedrich Bitterlich (Marmorrelief) und Franz Schiefthaler (Umrahmumg) geschaffen. Die Arbeiten führte die Linzer Firma Josef Linser & Söhne durch.

Eduard Mathias, bekannt als Edward Samhaber wurde am 26. Dezember 1846 in Freistadt als jüngster Sohn von sieben Kindern des k. k. Finanzwachkommissärs Mathias Samhaber geboren. Der Vater entstammte einer Tischlerfamilie aus Neukirchen am Walde, die Mutter war eine geborene Josephine Köck, Tochter eines Leinenhändlers aus Rohrbach. In Wien betrieb ihr Bruder in der Roßau einen Holzhandel. Der Großvater von Edward Samhaber war über Würzburg nach Österreich eingewandert.

Da der Vater viel auf Reisen war und die Mutter ihre Zeit hauptsächlich mit gesellschaftlichen Verpflichtungen verbrachte, wurde Samhaber von einer alten Magd aufgezogen. Er besuchte die Schule der Freistädter Piaristen. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1853 heiratete Mathias Samhaber Senior ein zweites Mal, und zwar die Witwe eines Hauptmanns aus Salzburg, die den adeligen Namen Lippe von Fichtenhain trug. Aus beruflichen Gründen musste die neue Stiefmutter mit ihren sieben Kindern dem Mann nach Kremsmünster folgen, wo Samhaber das Gymnasium des Benediktinerstiftes besuchte. Samhabers Vater kam in die Mühlen der Justiz, als er grundlos beschuldigt wurde, Mitwisser bei einem Finanzbetrug in einer Brauerei gewesen zu sein. Nach der Verhaftung wurde er in die Welser „Fronfeste“ eingeliefert.

Trotz finanzieller Probleme konnte der Sohn das Gymnasium mit der Matura abschließen und ging noch im Sommer als Novize Meinrad in die Benediktinerabtei nach Melk. Als Mönch Meinrad verbrachte Samhaber eine kurze Novizenzeit, die jedoch genügte, den Glauben, den seine Freistädter Lehrer in seine Seele gepflanzt hatten, wankend zu machen. Zuviele Dinge sah und hörte er hier in Melk, die in die stillen Räumen des Klosters nicht passten.

Nach der familiären Versöhnung ging Samhaber an die Universität Wien und inskribierte dort – erneut auf Wunsch des Vaters – für das Studium der Rechte:.Nach den erfolgreich abgelegten Lehramtsprüfungen erhielt Samhaber eine Stelle als Supplent (Hilfslehrer) am Freistädter Gymnasium und kehrte damit in seine Geburtsstadt zurück. Im Juli 1874 wurde er zum wirklichen Gymnasiallehrer ernannt.

Nach einer längeren Reise, die ihn 1874 über Salzburg, Nürnberg, zum Bodensee und über Meran und Runkelstein wieder nach Freistadt führte, und langwierigen Überlegungen über seine berufliche Zukunft ersuchte er schließlich um Versetzung nach Laibach, die 1878 mit lobenden Worten aus dem Unterrichtsministerium genehmigt wurde. Im Ansuchen des Landesschulrates für Oberösterreich an den Unterrichtsminister wurde er ebenfalls als bestensqualifiziert erachtet: „Als Lehrer ist Samhaber in jeder Richtung nicht nur tadellos, sondern vorzüglich.“

 

Von seinen Vorgesetzten an der deutschen Lehrerbildungsanstalt in Laibach wurde Samhaber, wie übrigens auch in Freistadt, bestens aufgenommen und behandelt. Außerdem musste er nur wenige Unterrichtsstunden pro Woche abhalten und hatte daher genug Zeit,sich als Dichter zu entfalten. Obwohl er die Sprache nicht beherrschte, machte er sich daran,die Gedichte des slowenischen Nationaldichters France Prešeren, der von 1800 bis 1849 gelebt hatte, mit Hilfe von einfachen Übersetzungen seiner drei Lieblingsschülerinnen in seine deutsch gefassten Nachdichtungen zu übertragen.

Der von Samhaber absichtlich provokant befeuerte Nationalitätenkonflikt endete mit einem Verbot seiner Bücher im Mai 1887 in Laibach, nachdem schon sein Werk „Dichtungen“aus den Schulbibliotheken der Lehrerbildungsanstalt verbannt worden war. Außerdem erkannte das Unterrichtsministerium in Wien, dass Samhaber „die slovenischen Kreise in Laibach“ verärgert hatte, „zu denen er durch seine literarische Tätigkeit in eine schiefe Stellung gelangte“

Nachdem slowenische Abgeordnete seine Versetzung gefordert hatten, fuhr Samhaber, der von einem Kollegen rechtzeitig gewarnt worden war, nach Wien zu seinem ehemaligen Lehrer Ganglbauer, der zum Fürsterzbischof aufgestiegen war, um in seiner Sache zu intervenieren.

Als Samhaber im Sommer 1888 zum Hauptlehrer an der Staatslehrerbildungsanstalt in Linz ernannt wurde, schrieb er ein Gedicht über die Stadt.

Als ihm der Landesschulinspektor Dr. Wilhelm Zenz zum Pensionsantritt im Jahr 1905 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verlieh, zeigte sich in dem Anlassgedicht die widersprüchliche Haltung Samhabers in seiner Linzer Zeit, der gleichzeitig ein gefestigter Deutschnationaler und ein guter Katholik sein wollte.

Samhaber gehörte ebenso wie Keim zur Clique deutschnationaler Dichter in Österreich, die sich gegenseitig förderten und ihre Werke gegenseitig über das normale Maß hinaus besonders positiv rezensierten.

Im Jahr 1894 dichtete Samhaber das deutschnationale Weihelied für die schlagende Burschenschaft Ostara, in der er die österreichische Monarchie verleugnet und indirekt der Anschluss an Deutschland propagiert wird. Grundsätzlich äußerte sich Samhaber aber zu aktuellen Fragen der Zeit nicht, nur in einer schmalen Auswahl von Epigrammen und Sprüchen wie etwa dem Gedicht „Den Antisemiten“ griff Samhaber in die Diskussion um den Antisemitismus ein, die unter den Deutschnationalen in den 1880er Jahren intensiv ausgetragen wurde. Dabei grenzte er sich vom radikalen Antisemitismus der Parteilinie Georg Ritter von Schönerers ab.

Gedenktafel am Geburtshaus in Freistadt 1912

Im Jahr 1910 wurde von Samhabers Freunden der Plan entwickelt, noch zu seinen Lebzeiten in Freistadt ein Denkmal errichten zu lassen. Die Enthüllung der Gedenktafel an seinem Geburtshaus fand am 20. Oktober 1912 statt: „An der Feier beteiligte sich auch der Männergesangsverein ‚Frohsinn‘ aus Linz, der unter der Leitung seines Chormeisters August Göllerich (1859–1923) auf der am Hauptplatz errichteten Tribüne den Festakt begleitete.“97 Schriftliche Glückwünsche erhielt Samhaber von drei slowenischen Reichsrats-Abgeordneten, die dem jungliberalen Flügel angehörten.

Ehrenbürger in Freistadt 1926

Ein Jahr vor seinem Tod, im Jahr 1926, wurde Samhaber zum Ehrenbürger von Freistadt ernannt.In seinem letzten Lebensjahr erhielt Samhaber das Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich:

Nach ihm ist auch die Samhaberstraße in Freistadt benannt.

Als Literaturwissenschaftler forschte Samhaber auf dem Gebiet der Altgermanistik. Er hielt zahlreiche Vorträge über deutsche Literaturgeschichte und gab Lesebücher für den Unterricht heraus. Bedeutend sind seine Nachdichtungen alt- und mittelhochdeutscher Literatur, u. a. dem "Hildebrandslied", den "Nibelungen" und lateinischen Klassikern wie Horaz und Tibull.

Samhaber verfasste manchmal seine Gedichte in der Mundart nach dem Vorbild Franz Stelzhamers, meistens, aber bediente er sich aber der Hochsprache sowie dem Stil der deutschen Klassik. Viele von Samhabers Gedichten wurden vertont, einige dieser Vertonungen waren im Repertoire des Sängerbundes Frohsinn, dessen Ehrenmitglied er war.

Samhaber lehnte die Stilrichtungen der Moderne ab und bezeichnete sich als „Kind der alten Schule“ und publizierte nicht regelmäßig in den damals führenden Literaturzeitschriften, sondern nur in der regionalen Linzer Presse, wo er als „Dichterfürst“ verehrt wurde.

Literaturquelle
1997
Die Kleindenkmäler von Freistadt,
Josef Brachtl, Seite 27
alternative Quelle
https://stadtgeschichte.linz.at/media/biographien/biographie_samhaber_edward.pdf
Datenbankerfassung
2025-03
Ateek Christine
Letzte Überarbeitung
2026-05
Heilingbrunner Brigitte
© Arbeitskreis für Klein- und Flurdenkmalforschung in Oberösterreich