Der mächtige Kapellenbildstock nahe des Hauses Wallner am westlichen Ortsrand ist baugleich mit der Kapelle am Molkereiberg am östlichen Ortsausgang. Auch hier an der Machlandstraße nach Mitterkirchen ließ das Kloster eine Kapelle errichten, um die Reisenden zu begrüßen bzw. zu verabschieden.
Der nicht begehbare Kapellenbildstock ist straßenseitig nach Süden offen und mit einem niedrigen Eisengitter b=290/h=75 abgeschlossen. An der Rückwand hängt ein lebensgroßes Kruzifix aus der Barockzeit. Oben schließt die Nische mit einemKorbbogen, das Rückwandgemälde zeigt Maria und Johannes unter dem Kreuz sowie auf beiden Seiten verschiedene Spruchbänder mit lateinischen Inschriften; rechts präsentiert ein Soldat als Fahnenträger die Spruchbänder.
Bekannte Restaurierungen fanden in den 1920er Jahren durch Pfarrer Karl Brunner aus Obergrünburg, 1950 durch Malermeister Alois Greisinger aus Mitterkirchen und 1983 durch Karl Riegler aus Baumgartenberg statt.
Geschichte(n):
Bei den lateinischen Schriftbändern handelt es sich um die „Sieben letzten Worte Jesus Christi“ am Kreuze. Auffällig ist hier die Tatsache, dass ein Spruch nicht vorhanden ist, und zwar der Spruch Pater ignosce illis, quia nesciunt quid faciunt – „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Warum er fehlt, ist nicht bekannt.
Die „Sieben letzten Worte Christi“ (Sätze) am Kreuz sind entnommen aus drei der vier Evangelien des Neuen Testamentes. Aus dem Lukas und dem Johannes Evangelium kommen jeweils drei der Worte, das siebte findet man bei Matthäus sowie bei Markus. Traditionell wurden diese Worte entsprechend der Passionsgeschichte stets in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet. An erster Stelle steht die Vergebensbitte für die Peiniger und Mörder, am Schluss legt Jesus seinen Geist in die Hände seines Vaters.
Rechte Seite (von oben nach unten):
Sitio - „Mich dürstet.“
Pater in manus tuas commendo spiritum moum - „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“
Consummatum est – „Es ist vollbracht.“
Linke Seite (von oben nach unten):
Hodie mecum eris in paradiso – „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“
Ecce Filius tuas. - „Siehe, dein Sohn!“
Ecce Mater tua - „Siehe, deine Mutter!“
Deus meus, Deus meus, quare me repulisti? – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? “
Traditionell wurden in früherer Zeit beim Bau eines Hauses oft gefaltete Papiere mit den „Sieben letzten Worten“ Jesu im Dachstuhl platziert, um Schutz zu bitten gegen möglichen Schäden durch Blitz, Hagel oder Sturm.