Seit dem Jahr 2000 ist im Kulturförderungsgesetz des Landes OÖ der Auftrag verankert, dass bei öffentlichen Bauten, die zu mehr als 50 % vom Land OÖ gefördert werden, ein künstlerisches Projekt in die Gesamtplanung integriert wird. 1,5 % der Gesamtbaukosten an Aufwendungen stehen dafür zur Verfügung.
Das Ziel dieser kulturellen Förderung „Kunst am Bau“ ist es, zeitgenössische Kunst in das Lebensumfeld der Menschen einzubringen. Kunstschaffende haben die Möglichkeit, mit ihrer Handschrift die Bedeutung der öffentlichen Gebäude symbolisch mittels Kunstobjekte hervorzuheben.
Künstlerische Außengestaltung
„Schönheit der Chance“
Im Zuge der Generalsanierung der ehemaligen Hauptschule schuf der oberösterreichische Bildhauer Stefan Kuntner aus einem Abbruchteil des alten Stiegenhauses die Skulptur „Schönheit der Chance“, die am Vorplatz zum Eingang der Mittelschule platziert wurde. Die Stufen, Symbole des Aufstiegs, sollen die Entwicklung der jungen Menschen zu seelischer und geistiger Reifung darstellen. Die zwei großen Traversentore sind Sinnbilder für Veränderung, Erneuerung und Wandlung. Auf dem Bildungsweg gilt es für die Lernenden Entwicklungsstufen zu meistern, sich zu verändern, wandeln und in der Zukunft verschiedenste Tore zu passieren.
Geschichte(n):
Die Mittelschule Baumgartenberg, vormals Hauptschule, erlebte von 2009 bis 2012 eine umfangreiche Sanierung bzw. Neugestaltung. Das Gebäude war in die Jahre gekommen und durch das Hochwasser 2002 zusätzlich so arg beschädigt worden, dass eine Generalsanierung notwendig wurde. 2012 konnte eine neue, modern ausgestattete, schülergerechte Schule wiedereröffnet werden.
Künstlerische Innengestaltung –
Textur und Flechtgewebe
Für die künstlerische Innengestaltung war die Wiener Bildhauerin Katharina Heinrich im Rahmen des Projektes „Kunst am Bau“ zuständig. Sie kreierte eine dreiteilige gewebte Skulptur, die von der Decke im Lichtschacht der Aula hinunter ragt. Mit diesem Flechtwerk möchte sie das System im Allgemeinen versinnbildlichen, denn jedes System ist ein Flecht- bzw. Netzwerk.
In Zusammenhang mit dem Flechtobjekt steht auch die so genannte „Textur“, ein Textband, welches sich an der Wand in ca. 60 cm Höhe vom nördlichen Hintereingang bis zum südlichen Haupteingang durch das Gebäude zieht. Bei der inhaltlichen Gestaltung des Textbandes waren die Schüler eingebunden. Sie formulierten Gedanken über Gefühle, Freude, Angst, Erwartungen und Wünsche. Diese wurden gesammelt, ausgewertet, von der Künstlerin ausgewählt und in dem Schriftband verewigt.
Die Gedanken der Künstlerin zu ihrer Arbeit „Flexible Texturen“:
„In meiner bildhauerischen Arbeit setze ich mich seit Anfang der Neunziger Jahre mit Texturen und Flechtwerken auseinander. Was mich daran fasziniert, sind ihre Vielgestaltigkeit, Vieldeutigkeit und Komplexität. Abseits ihrer herkömmlichen Anwendung im Alltag, Sprache, Architektur, Wissenschaft, Mode, Schrift etc. kann man Texturen unterschiedlich lesen. Sie erzählen Kulturgeschichte. Sie beschreiben Systeme, offene, geschlossene, mehr oder weniger durchlässige, Strukturen, Lebens – und Überlebensstrategien. Sie sind flexibel, überwinden jede Starrheit. Sie erzeugen Räumliches, Raum, Zwischenräume, sie grenzen ein, sie grenzen aus... Sie veranschaulichen Denkprozesse, und sie sind veranschaulichte Denkprozesse.
Die drei flexiblen Schleifen in der Aula sollen genau darauf hinweisen.
Das Textband auf dem Gang, sein Entstehungsprozess, die Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern, soll die Wichtigkeit jeder einzelnen Stimme in einem gemeinsamen Ganzen hervorheben und vor allem auch die Schüler zur freien Meinungsäußerung und Mitgestaltung ermutigen.
Ich hoffe, ich konnte mit meiner Arbeit einen Anstoß dazu geben!“
Katharina Heinrich