Am 5. Mai 1995 wurde in Freistadt im Gedenken an das Kriegsende vor 50 Jahren ein Denkmal eingeweiht, das elf Freistädtern gewidmet ist, die noch in den letzten Kriegstagen auf besonders schreckliche Art und Weise Opfer des Nationalsozialismus geworden sind. Diese elf Morde stellen gewissermaßen das zentrale Thema des Denkmals dar.
Es will aber darüber hinaus universalisierend aller Opfer politischer Gewalt gedenken, wie das auch das umlaufende Spruchband mit einem Zitat von Immanuel Kant fordert:
„Versuche frei zu sein und achte und beschütze die Freiheit des anderen."
Die Namen der 11 Opfer sind auf einer Steinplatte eingraviert, die im Inneren des blau erstrahlenden Innenraumes schwebt. Das Denkmal besteht aus einem C, (300x150x100 cm) einem „blauen Monolith", Die Fabe blau steht für Spiritualität, Freiheit des Geistes, Leere, Nichts, Meditation, Bewusstsein.
Das Denkmal ist während der Nacht von innen mit Scheinwerfen beleuchtet und soll wie ein Kristall funkeln und uns die Angst vor dem Fremden nehmen.
Zitat aus der Einreichung
Den künstlerischen Wettbewerb zu diesem Denkmal hat der damals 27jährige Kunststudent Christoph Fürst, ein gebürtiger Freistädter, gewonnen.
Der Errichtung sind emotionale, politsche Diskussionen vorausgegangen. Manche Gruppen wollten kein Denkmal, sondern die verheerende Zeit und ihre Opfer vergessen, andere wollten ein schlichtes Steindenkmal, das nicht auffällt.
Eine unabhängige Jury entschied aus 47 Einreichungen für den blauen Monolith, der sich sehr harmonisch in die Umgebung mit alten Steinbauten einfügt.
Kritiker hatten immer wieder betont, dass das Denkmal aus Glas nicht zu den alten Gemäuern passt.
Es wude auch von einer Boulevardzeitung ein völlig falsches Bild publiziert, auf dem der Glaskubus das ehrwürdige Linzertor an Größe beinahe überragt. Auf Bild 2 ist zu sehen, dass dies absolut nicht der Fall ist, das neue Denkmal ist ca. 25 Meter vom Linzertor entfernt.
Vor allem die FP-Mandatare waren strikt dagegen, dass das Mahnmal vor dem Linzertor aufgestellt wird. Sie wollten das Kunstwerk dort wissen, wo Widerstandskämpfer hingerichtet wurden.
Besonders zynisch waren Vorschläge ein Denkmal unmitttelbar bei der geplanten Autobahn zu errichten.
Die Mahnmaldiskussion spaltete auch die Bevölkerung. Eine Blitzumfrage der SP zeigte aber, dass die Mehrheit der Bevölkerung für das Kunstwerk am Vorplatz des Linzertors war. So wurde es schließlich umgesetzt.
Ein Statement dazu von Christoph Fürst aus dem Jahr 2025:
"Der Mann der Stunde war für mich Pepi Eidenberger.*
Nur durch sein Engagement war es möglich das Denkmal umzusetzen! Ewig gestrige Freistädter haben sich für mich damals ein weiteres mal schuldig gemacht. Das inkludiert auch die Generation, die nicht beteiligt war. Ich habe damals von gesamt
7 Museumsdirektoren aus Österreich Gutachten zum Denkmal erbeten und ich habe diese Gutachten auch bekommen. Das längste Gutachten war über 6 Seiten lang. Peter Noever vom MAK** war ebenso dabei.
Ich habe damals sämtlich mir bekannten Zeitungen mehrmals informiert (Profil, Standard, Presse, OÖN, Volksblatt). Alles zusammen war der öffentliche Druck auf die Stadtväter (Es waren ja keine Mütter) sehr groß und sie konnten auf Grund des medialen Interesses kaum noch zurück.
Mein Resümee: Bis zum Schluss lästig bleiben und das Gegenüber muss sich selber vollkommen peinlich darstellen.
Das kann wirken. "
*Pepi (Josef) Eidenberger ist Gymnasiallehrer i. R. und war zur Zeit der Denkmalplanung Kulturstadtrat in Freistadt, er trat von dieser Funktion zurück um die Umsetzung des Denkmals in der Jury zu unterstützen.
**MAK Center for Art and Architecture