Der Kulturverein Brigitte-Schwaiger-Gesellschaft eröffnete am 8. Oktober 2023 den Brigitte-Schwaiger-Literaturweg in Freistadt. An zwölf Stationen gibt es viel zu lesen, zu sehen und zu hören (via Smartphone und QR-Code).
An 365 Tagen im Jahr sind die zehn Stationen in der Innenstadt barrierefrei zu entdecken. Eine Wanderroute (mit zusätzlichen 2,4 km Länge) befindet sich im Norden der Stadt. Mitten im Grünen gibt es zwei weitere Stelen und Bänke.
Ein Teil der Stationen besteht aus Stelen aus Metall mit Inschriften.
Als Stele wird seit der griechischen Antike primär ein hoher, freistehender, monolithischer Pfeiler bezeichnet.
Ein Teil der Stationen wurde in Form von Wandmalereien und Beschriftungen an Bauwerken und Flächen in der Innenstadt angebracht.
Station 01 ist die neu benannte enge Gasse zwischen Kirche und Pfarrhof, die den Namen Brigitte-Schwaiger-Gasse erhielt.
Die Schriftstellerin lebte in der Nähe und hat diese Gasse oft auf dem Weg zur Schule benutzt, davor hatte die Gasse keinen Namen.
In der Gasse ist eine lange dunkle Tafel angebracht mit dem eingestanzten Leittext:
Alles was ich bin, habe ich draußen gelassen. Alles was ich sagen könnte, verschweige ich.
Auf zwei Tafeln findet sich der Straßenname und die Inschrift: Brigitte Schwaiger (1949-2010) Schriftstellerin und Malerin
Am markantesten ist die Bogennische in der auf weißem Grund die Biografie von Schwaiger aufgelistet ist. Die Nische ist von Steinen umrahmt und mit einem weiteren weißen gemalten Rahmen versehen.
Das Logo ist ein schwarzes "G" mit weißem Hintergund in dem drei Buchstaben von Brigitte Schwaigers Unterschrift zu sehen sind.
Diese Logo ist auf jeder Station zu sehen, ebenso die Liste der Sponsoren des Literatuwegs.
Eine Kurzfassung zur Persönlichkeit von Brigitte Schwaiger:
Brigitte Schwaiger wurde am 6. April 1949 in Freistadt als Tochter eines praktischen Arztes geboren.
Nach der Matura 1967 ging sie nach Wien, wo sie einige Semester Germanistik, Psychologie und Romanistik studierte.
Sie heiratete einen spanischen Offizier, mit dem sie von 1968 bis 1972 auf Mallorca und in Madrid lebte, wo sie Deutsch und Englisch unterrichtete und sich daneben mit Malerei und Bildhauerei beschäftigte. Nach ihrer Scheidung kehrte sie nach Österreich zurück und studierte von 1972 bis 1973 an der Pädagogischen Akademie Linz. Nebenbei trat sie als Schauspielerin in einem Kellertheater auf, arbeitete als Regieassistentin beim ORF und als Sekretärin in einem Wiener Theaterverlag.
1977 erschien ihr erster Roman: "Wie kommt das Salz ins Meer" - er handelt von einer lebenshungrigen, freiheitsliebenden jungen Frau, die aus Konvention heiratet; in präziser, ironisch gebrochener Sprache thematisierte Brigitte Schwaiger Fragen des Ehealltags, der väterlichen Autorität und des vergeblichen Ausbruchs aus dieser Welt.
Mit diesem Erstlingswerk wurde sie praktisch über Nacht berühmt, leider konnte sie mit ihren nächsten Büchern wie "Mein spanisches Dorf", "Liebesversuche", "Der Mann fürs Leben"oder "Der Himmel ist süß" nicht mehr an diesen Erfolg anschließen. Ende 2001 war sie "kaputt vom vielen Nachgrübeln" über ihr unglückliches Leben und ließ sich erstmals in die Psychiatrie einliefern.
In allen ihren Arbeiten spielte ihre eigene Biografie eine große Rolle: in ihrem Werk "Fallen lassen" hat sie ihre Erfahrungen in der Psychiatrie verarbeitet - eine beklemmende, bestürzende Beschreibung, ein schonungsloses Resümee einer seit dreißig Jahren andauernden psychischen Erkrankung mit zahlreichen Selbstmordversuchen.
Ein Kurzfilm zeigt eines ihrer letzten Interviews, wo sie über ihre Krankheiten, ihre Einsamkeit und ihre Sehnsucht nach dem Tod spricht.
In einem anderem Kurzflim erzählt eine Bekannte von ihr, dass Brigitte Schwaiger Dokumente wie Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis, Personalausweis und Reisepass in ein Kuvert gepackt hat und per Post an den Bundespräsidenten gesendet hat, so als wollte sie ihre Identität abgeben.
Am 26. Juli 2010 ist Brigitte Schwaiger aus dem Leben geschieden, sie wurde tot in einem Seitenarm der Donau in Wien gefunden.
Sie erhielt ein Ehrengrab am Zentralfriedhof in Wien.