Vom Norden kommend kurz vor Freistadt auf der rechten Seite sticht sofort der imposante Obelisk des Sowjetfriedhofs ins Auge.
In der Mitte des Sojwetrussischen Friedhofs steht der blaue Obelisk auf einem zweistufigen Sockel, an dem ein quadratischer Block angebracht ist. Der Obelisk ist nach oben verjüngt und trägt als Krönung einen roten fünfzackigen Stern, ein klassisches Zeichen sowjetischer Gedenkstätten.
Auf der Vorderseite findet sich eine Inschrift in russischer Sprache, die deutsch übersetzt heißt:
"Ewiger Ruhm den Helden, die im Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit der Heimat gefallen sind."
Das Denkmal steht auf einer Rasenfläche und ist von kurzen Granitpfeilern umgeben, die Pfeiler sind mit Eisenketten verbunden.
Umgeben ist der Obelisk von 68 Grabsteinen im Halbkreis gesetzt, sie sind teilweise mit Namen versehen. Alle tragen den roten fünfzackigen Stern, die Namen sind nicht komplett aber bekannt. (Innenministerium Österreich). Es handelt sich um Soldat:innen, aber auch um KZ-Gefangene oder um Kriegsgefangene. Auch ein Kind, vermutlich von einer polnischen Zwangsarbeiterin, fand hier die letzte Ruhestätte.
Sämtliche Steinobjekte sind aus hellem Granit und wurden von der Fa. Anton Zemann hergestellt.
Beim Eingang steht eine verglaste Tafel auf der die Grabnummern, die Namen, Geburts- und Sterbejahr der beerdigten Menschen vermerkt sind.
Der Friedhof ist von einem Zaun und Bäumen umgeben, geschlossen wird er mit einem schmiedeeisernen Tor. Vor dem Obelisk befinden sich meistens Blumenschmuck oder Kränze. Die gesamte Anlage ist sehr würdevoll und gepflegt.
Historischer Hintergrund:
Im Mai 1945 waren im Bereich der Gemeinden Freistadt, Lasberg, St. Oswald und Kefermarkt bis zu 89.000 Soldaten, rund acht Divisionen aus der Sowjetunion stationiert. In der zweiten Hälfte des Jahres 1945 waren durchschnittlich 15.000 - 17.000 sowjetische Soldaten in Freistadt einquartiert.
Nach dem Schrecken der Nazidiktatur und des Krieges hatte wieder die Zivilbevölkerung zu leiden. Trotz eines Aufrufs der sowjetischen Armeeführung die friedliche Bevölkerung zu verschonen, kam es zu Gewalttaten, Vergewaltigungen und Plünderungen. Die sowjetischen Soldaten kamen aus dem Krieg, waren fern ihrer Heimat und traumatisiert, manches geschah aus Revanche. Dies ist keine Entschuldigung, aber vielleicht eine Erklärung. Die grässliche Psychologie jedes Krieges.
Später wurden die Soldaten reduziert, die Übergriffe weniger und es gab auch Normalität, sowie ein wenig Unterhaltung wie Musik- und Tanzabende. Dennoch wartete die Bevölkerung sehnsüchtig auf die Unabhängigkeit Österreichs. Dies geschah erst im Jahre 1955 und die sowjetischen Truppen zogen endgültig ab, oftmals sehnsüchtig erwartet von ihren Familien.
Bei dieser großen Anzahl von Besatzern verstarben natürlich auch Menschen. Häufige Ursachen waren Unfälle im Bahn- und Straßenverkehr, fahrlässiger Umgang mit Waffen und Munition sowie Krankheiten und Verwundungen. Oft waren auch übermäßiger Alkoholkonsum oder der Konsum von Ethylalkohol die Todesursachen.
Die Verstorbenen wurden in den jeweiligen Pfarrfriedhöfen oder in einem bestehenden Soldatenfriedhof beigesetzt. In Freistadt wurde auch am alten Kriegerfriedhof an der Jaunitz beerdigt. Gardemajor Sacharjan ordnete Ende 1945 an, die bereits auf dem Schreibtisch liegende Order des Divisionskommandos, in Freistadt einen Garnisonsfriedhof zu errichten, vordringlich zu behandeln.
Es wurde ein Grundstück im Norden von Freistadt bei den sogenannten "Drei Föhren" dafür bestimmt. Sämtliche Steinmetzarbeiten wurden von der Fa. Anton Zemann zu vollsten Zufriedenheit der Kommandatur ausgeführt.
Das erste Begräbnis fand am 30. November 1945 statt. Nach und nach wurden auch Leichen aus den genannten Friedhöfen exhumiert und am neuen Friedhof in Freistadt beerdigt. Insgesamt sind 68 Männer, Frauen und ein Kind (vermutlich von einer polnischen Zwangsarbeiterin) dort begraben. Die meisten waren Soldat:innen, aber auch KZ-Gefangene oder Kriegsgefangene.
Mir der Errichtung von würdigen Grabstätten und Denkmälern wollte die Besatzungsmacht darauf hinweisen, dass diese Toten für die Befreiung Österreichs vom Faschismus ihr Leben gaben. Die Österreicher sollten dies zu würdigen wissen.
Durch begangene Gräueltaten ist dies nicht gelungen und viele Zeitzeugen hielten noch nach der Besatzungszeit Abstand zu diesem Friedhof.