Schon von weitem ist dieser kunstvolle Pfeiler in der Wiese nahe eines Hofs zu sehen. Das Kunstwerk ist mehr als drei Meter hoch und verfügt über drei Bildnischen. Die seitlichen Flächen von Sockel und Schaft sind reich mit christlichen Symbolen verziert, die typisch sind für ländliche Denkmäler Anfang des 19. Jahrhunderts. Am Sockel stehen die Initialen J.A. für den Stifter und die Jahreszahl 1848. Diese Zahl muss nicht zwingend das Errichtungsdatum sein, es kann auch für das Jahr der Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft stehen.
Auf dem zweiten Aufsatz sind die Buchstaben IHS und ein Kreuz eingraviert. Darüber wächst der Schaft mit drei rundbogigen Nischen.
Diese sind mit Ölbildern auf Blech gemalt gefüllt. Geschaffen wurden sie von Prof. Fritz Feichtinger, akademischer Maler aus St.Florian/Linz.
Bild unten: Hl. Isidor dargestellt in Bauernkleidern, auf den Knien betend, während ein Engel mit Stieren das Feld bearbeitet. Sein Haupt ist von
einem Heiligenschein umgeben. Isidor gilt als Patron der Bauern, Feldmesser; gegen Dürre; für Regen.
Bild Mitte: Hl. Katharina von Alexandrien in königlicher Kleidung mit Krone und Heiligenschein. Mit den Attributen zerbrochenes Rad
und Schwert. Sie gilt als Schutzpatronin von Freistadt, daher sind hinter ihr Türme und Häuser der Stadt gemalt.
Bild oben: Hl. Johannes der Täufer dargestellt in Fellbekleidung, mit Kreuzstab und Taufschale. Er steht am Wasser, hält die Taufschale empor und trägt einen Heiligenschein am Haupt.
Die Bekrönung besteht aus einem runden Aufsatz, der eine bedeutsame Reliefdarstellung zeigt:
Innerhalb eines Kreises ist ein Dreieck mit dem angedeuteten Auge Gottes zu sehen. Das Dreieck steht für die Dreifaltigkeit, das Auge für die
Wachsamkeit Gottes über die Schöpfung.
Auf dem Stein ist ein ein kunstvoll geschmiedetes Kruzifix aufgesetzt. Das Kreuz hat Kleeblattenden, hinter den Schnittpunkten der Balken treten vier diagonale spitze Strahlen hervor. Diese bilden ein Strahlenkreuz, Christus wird stilisiert mit ausgebreiteten Armen dargestellt.
Dieser Etagenpfeiler ist ausgesprochen gut gepflegt und vorbildlich renoviert.
Historischer Hintergrund Bauernbefreiung im Jahre 1848:
Das Feudalsystem wurde abgeschafft, als im Reichstag von 1848 der aus Schlesien stammende Abgeordnete Hans Kudlich den Antrag auf Aufhebung der "Untertänigkeit mit allen daraus entsprungenen Rechten und Pflichten" stellte. Mit einem am 7. 9. 1848 von Kaiser Ferdinand unterzeichneten Patent wurden die Untertänigkeit und das "schutzobrigkeitliche Verhältnis" aufgehoben und die Entlastung von Grund und Boden durch eine Entschädigung der Vorbesitzer angeordnet.
Zu Beginn war die Befreiung für die Bauern nicht nur positiv, denn an die Stelle der grundherrlichen Abgaben traten Steuern des Staates, der Länder und Gemeinden. Die erste Generation kannte auch die marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht, nach 1848 entstanden viele kleine,
kaum überlebensfähige Betriebe, so dass die Verschuldung wuchs.
Darauf folgende Generationen konnten den Niedergang des Bauernstands abwenden und Marktorganisationen schaffen.