Die Mostkeller Kapelle, dieses Unikat gehörte einst zum Besitz des Mairhofes in Plesching, danach in ausländischem Eigentum, bevor sie 1979 ihre Wiedergeburt erlebte. Wann genau sie gebaut wurde und wer sie errichtet hat, ist nicht überliefert. Auch der Errichtungsgrund ist nicht mehr bekannt. Der unter der Kapelle in den Berghang gesetzte Mostkeller diente im 2. Weltkrieg der Bevölkerung als Luftschutzkeller. Ab der Mitte der 1970er Jahre wurde in Plesching von der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Chemie Linz eine Großwohnanlage gebaut. Im Zuge der Grundbeschaffung für dieses Projekt fiel auch die Kapelle dem neuen Eigentümer zu. Damals fand sie kaum Beachtung, weil - von Bewuchs und Gestrüpp derart überwachsen - sie viele Jahre bestens getarnt, als nicht mehr existent galt. Sie war schlicht in Vergessenheit geraten. Konsulent Rudolf Gruber aus Linz gelang es, die Kapelle aufzuspüren. Nach der Freilegung zeigte sich, dass der vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammende Kapellenbildstock tatsächlich einem alten Mostkellereingang aufgesetzt worden war. Konsulent Gruber war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und brachte es zuwege, dass die Mostkeller Kapelle - so ihr ortsüblicher Name – von der Wohnungsgesellschaft im Zuge der Bauarbeiten für die Errichtung der Wohnanlage einer Generalsanierung unterzogen wurde. Mit der Übergabe der Wohnungen an die Mieter am 07. September 1979 wurde auch die Kapelle in neuem Glanz präsentiert. Damit war wohl ein einmaliges bäuerliches Kulturdenkmal vom Verfall gerettet. Diese kuriose Kombination Mostkeller und Kapelle ist landesweit eine Attraktion. Konsulent Rudolf Gruber, der Initiator für die Rettung der Kapelle hat uns seine Gedanken darüber hinterlassen: Die Mostkeller Kapell`n zu Plesching. Unter der Kleinkunst, Denkmäler der Barockzeit und des Biedermeier, sind es auch die Steinsäulen (Marterl) und Kapellen, die der österr. Landschaft ihr besonderes Gepräge geben. Viele bekannte Maler z. B. Waldmüller, Fendi und Alt haben die Romantik dieser kleinen Kunstwerke in ihren Gemälden festgehalten. Und auch der Mensch von heute bannt sie gerne auf ein beschauliches Landschaftsfoto. Seit mehr als 100 Jahren steht an der Straße in Plesching die „Mostkeller Kapell`n“, die durch diese humorige Bau-Kombination einmalig im ganzen „Land ob der Enns“ ist, dessen Bewohner man gerne „Mostschädeln" nennt. Sicher mag der Bauer, zu dessen Hof einst die Kapelle gehört hat, in dem kühlen Gewölbe einen süffigen Mischling, oder einen klaren Apfelmost in schweren Eichenfässern verwahrt und gelegentlich auch vorbeifahrenden Fuhrleuten einen kühlen Trunk gereicht haben, wenn er mit dem Steinkrug aus dem Keller stieg. Zu den kirchlichen Festtagen aber, schmückte man die Kapelle darüber, die voll bunter Heiligenbilder war, mit Birkenästen, mit Feldblumen oder Astern und Reseda aus dem Hausgarten. Leib und Seele wollen eben ihre Ordnung und fordern Rechte! Viele Jahre war dieses bäuerliche Kulturdenkmal von Lianen derart überwuchert, dass selbst die Leute der Umgebung nichts mehr vom Vorhandensein einer Kapelle wussten. Der völlige Verfall war unausbleiblich. Die OÖN berichteten in der Ausgabe vom 27.09.1978 darüber in Bild und Text. Umso erfreulicher ist es, dass die Chemie Linz, nach Übernahme der gesamten, zum Bauernhof gehörenden Liegenschaft, dieses bauliche Unikat im Jahre 1979 einer Totalrestaurierung unterzog und so der Nachwelt erhalten hat. Im Namen des „Landesinstitutes für Volksbildung und Heimatpflege", das die Erfassung und Erhaltung der Kapellen im ganzen Bundesland wahrnimmt, möchte ich daher der Chemie Linz aufrichtig danken. Rudolf Gruber Konsulent der O.Ö.Landesregierung Wie schon erwähnt, wurde dem alten Mostkellergewölbe eine Kapelle, aus Ziegeln gemauert und verputzt aufgesetzt. Beidseits der Nische sind Wandpfeiler (Pilaster) angeordnet, die dem Bauwerk eine gewisse Mächtigkeit ausweisen. Knapp unterhalb der Traufe ist an den Sichtseiten ein vorspringendes Gesimse oder auch Verkröpfung genannt, angesetzt. Darauf sitzt der Giebel in Form eines Satteldaches. Das Dach ist mit roten Tonziegeln eingedeckt, der Giebel mit einfachen Brettern ausgestattet. Die Nische ist mit einem Korbbogen abgeschlossen und einem Schmiedeeisengitter gesichert. Sie hat die Abmessung von 64/120/160 cm. An der Nischenrückwand und den Seitenwänden hängen Heiligenbilder. Die Verschneidungslinie mit Böschung ist mit einer zweireihigen Kleinsteinpflasterung ausgelegt, die Frontlinie beim Kelleraufsatz ist mit einer Doppelreihe Biberschwanzziegel markiert. Das Kellergewölbe ist im Eingangsbereich etwas vorspringend. Dieser Teil ist aus Ziegeln und Steinen im Korbbogen gemauert und in Steinbloßtechnik verputzt. Die Kellertür ist zweiflügelig, rechteckig aus Holz. Das aus Steinen gemauerte Kellergewölbe ist 2,80 bis 2,40 m breit, sich nach hinten verjüngend. Die Scheitelhöhe beträgt, ebenfalls sich nach hinten verkleinernd 2,30 bis 1,90 m. Das Kellergewölbe reicht 13,70 m in den Berg hinein. Seit 1979 ist die Kapelle den Eigentümern der Wohnanlage Plesching 36 -38 zugeordnet. Der Mostkeller wird heute noch zur Einlagerung von Getränken verwendet. Die Familie Schwarzenbacher hat eine besondere Beziehung zu dieser Kapelle entwickelt und ihre Betreuung stets im Auge behalten. So hat Hans Schwarzenbacher im Jahr 2008 die Fassade und die Nische neu gestrichen, die Farben im ursprünglichen Zustand wieder erstrahlen lassen. Gleichzeitig wurden die alten Bilder in der Nische zum überwiegenden Teil ausgewechselt. Roswitha Schwarzenbacher hat mit einer Nachbarin die Hinterglasbilder selbst angefertigt. Der hl. Georg ist ein Geschenk von Prof. Georg Niedetzky, einem Freund der Familie.