Die Eintrittsteine laden zum Spaziergang in den Steingarten ein. Auf dem kleineren Stein wird noch ein wetterfestes Buch mit Erklärungen dazu angebracht werden. Unmittelbar daneben ist unter einer großen Baumkrone ein Rastplatz mit einem Tisch und Bänken eingerichtet, wo man in gemütlichem Ambiente verweilen kann.
Der Steingarten Steyregg ist ein nachhaltiges, heimatkundliches und über die Gemeindegrenzen hinaus interessantes Projekt, das im Jahr 2019 vom Heimatverein Steyregg in enger Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde und mit Unterstützung umliegender Betriebe umgesetzt worden ist. Der Steingarten ist zentral in Steyregg, südlich der der alten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert, am Stadtgarten gelegen. Er soll die Besucher in die interessante Geologie unserer Umgebung einführen, wie auch einen Beitrag zum Erholungswert unseres Ortes leisten. Nach dem Motto:
Steine reden nicht - aber sie haben viel zu erzählen
(Hermann Lahm)
kann man hier erleben, was der Steingarten zu erzählen hat.
Zur Erklärung des Steingartens müssen wir in der Geschichte Steyreggs bis ca. 320 Mio. Jahre zurück in die Vergangenheit reisen - eine Zeit in der das heutige Steyregg etwas unterhalb des Äquators lag.
Durch die Kollisionen kontinentaler Platten verschwand der Rheische Ozean und der im Bereich des Südpols gelegene Gondwana-Kontinent formte mit „Ur-Nordamerika“, den sog. Laurentia, einen riesigen Super-Kontinent, der großteils auf der Südhalbkugel lag, er wird Pangäa genannt. Es entstand auf diese Weise vor 320-290 Mio. Jahren in Zentraleuropa das Variszische Gebirge. In Österreich ist die sogenannte Böhmische Masse eines der geologisch ältesten Gebietes Europas, ein Teil davon, der nördlich der Donau im Mühl- und Waldviertel liegt. Südlich der Donau beginnt bereits das Alpenvorland.
Von dem vor Jahrmillionen entstandenen Gebirgsgürtel gibt es heute nur noch die innersten Reste, also den „harten Kern“ im wahrsten Sinn des Wortes: Granitgesteine und ihre Verwandten, die aus Gesteinsschmelzen tief im Erdboden entstanden und heute im Steingarten ausgestellt sind. Durch neuerliches Aufschmelzen und die immer verschiedene Beschaffung des Magmas bildeten sich unterschiedliche Typen von kristallinem Gestein aus: Helleres mit viel Quarz (wie z.B. Granit), dunkleres mit Hornblenden und mit schwarzem Glimmer (wie z.B. Diorit), die Migmatite (sog. Mischgesteine) mit den vielen älteren, sozusagen „unverdauten“ Altgesteinsresten, sowie Ganggestein wie Aplit und Pegmatit, die nachträglich in den Klüften und Spalten bereits abgekühlten Magmas erstarrten.
Alle diese Gesteine können direkt vor Ort im Steingarten Steyregg mit Erklärungen dazu betrachtet werden.
Die Besucher des Steingartens werden entlang der Ausstellungsstücke auf einem Weg geführt. Die Steine selbst sind in einem symbolischen Flussbett einglegt, das den früheren noch sehr geschlungenen Uferverlauf des Donaustromes veranschaulichen soll. Das Flussbett ist mit Donau-Kieselsteinen ausgelegt. Alle die darin ausgestellten Steine stammen aus den nahegelegenen Schottergruben auf dem Gebiet der alten Donauarme in Steyregg, wo sich im sogenannten „Überkorn“ immer wieder größere, tonnenschwere Blöcke befinden. Sie sind meist durch den Transport und den Abrieb im Donauwasser abgerundet und glattgeschliffen, sodass dadurch die Struktur und die Farbe des Gesteins hervorragend zur Geltung kommen.
Es wurden für den Steingarten nur leicht unterscheidbare und charakteristisch kristalline Gesteinsblöcke ausgewählt.
Der zentrale Stein des Steingartens ist dieses imposante Stück, die „Donaukunst". Es handelt sich hierbei um einen besonders großen und durch die Erosion spektakulär geformten Granitstein, der sich bisher auf einer Grünfläche vor dem Stadtsaal befand. Er wurde im Zuge der Errichtung des Steingartens zentriert zwischen den ausgestellten Gesteinsblöcken positioniert. Aufgrund seiner natürlich gewachsenen, interessanten Form und Beschaffenheit wurde er mittels Installation einer Wasserführung, als Brunnen gestaltet. An drei Stellen sind Bepflanzungsinseln angeordnet, die etwas Grün in die Steinstruktur bringen und auch symbolisch für die damalige Uferbepflanung in der Aulandschaft stehen. Am Grenzzaun zum Kinderspielplatz wird eine sogenannte "Babylonische Wasseruhr" eingerichtet. Das Steingefäß aus Granit ist bereits installiert; kompletiert und funktionstauglich hergestellt soll sie noch im Jahr 2021 werden. Solche Uhren gehen bis weit über 600 Jahre vor Christus zurück und basieren auf dem einfachen Prinzip, dass man aus der ausgelaufenen Wassermenge bzw. aus dem Höhenunterschied des Wasserspiegels im Gefäß die abgelaufene Zeit ablesen kann. Damit war auch die Zeit messbar, wenn die Sonne nicht schien (Sonnenuhr). Es resultiert daraus der Begriff der "verrinnenden Zeit".
Neben Informationsständern bei allen Objekten werden diese auf der Homepage des Heimatvereins (www.heimatverein-steyregg.at/steingarten-steyregg/) und in der elften Ausgabe der Printreihe "Historisches Steyregg" zum Thema "Steingarten" noch detaillierter erläutert. Zudem werden auch die geologischen Naturdenkmale unserer nahen Umgebung, wie der Gruberstein (ID 1578), die Pleschinger Sandbank oder Austernbank (ID 2230), die Steyregger Höhlen (ID 1572 und ID 1673) und der Rinnende Stein (ID 1610) dargestellt.
Dem Heimatverein Steyregg war bereits bei der Planung des Steingartens eine bereichs- und generationenübergreifende Gestaltung wichtig. So wurde auch der angrenzende Abschnitt des Kindespielplatzes in das Steingartenprojekt mit einbezogen. Dort laden Spielsteine die junge Generation zum Verweilen und Entdecken ein. Und auch von dieser Seite aus wird der Besucher des Steingartens freundlich begrüßt.
Die Eröffnung des Steingartens erfolgte am 07.09.2019 im Rahmen des Stadtfestes Steyregg durch LH Mag. Thomas Stelzer.
Wir sehen: Steine haben viel zu erzählen, und ein Besuch im Steingarten Steyregg lohnt sich. Wenn sie ihn auch digital im Internet entdecken wollen, dann erhalten sie ebenso ausführliche Informationen zu allen ausgestellten Steinen und geologischen Besonderheiten der Umgebung. Dort sind alle Steine auch 3D-abgebildet, damit können sie sie auch elektronisch von allen Seiten betrachten.