Frauenorganisationen

NS-Frauenschaft
Die 1931 gegründete Eliteorganisation NS-Frauenschaft (NSF) und die 1933 geschaffene Massenorganisation Deutsches Frauenwerk (DFW) waren die einzigen legalen Frauenorganisationen im Dritten Reich. Sie sollten die als „deutsch“ definierte Frau politisch integrieren und für die Volksgemeinschaft gewinnen, sie gleichzeitig aber auch auf bestimmte Funktionen und Tätigkeiten innerhalb der Gesellschaft verweisen und aus der Machtpolitik ausschließen.

Die NS-Frauenschaft sollte die gesamte Frauenarbeit leiten. Sie unterstand der NSDAP-Reichsleitung, beschäftigte sich mit wirtschaftlichen und krankenpflegerischen Tätigkeiten und wirkte an den politischen Schulungen der NSDAP-Mitglieder mit. Die von der NS-Frauenschaft propagierte „deutsche Frau“ wurde als Hausfrau und Mutter definiert.

Deutsches Frauenwerk
Das Deutsche Frauenwerk, ein eingetragener Verein, diente als Sammelbecken für die gleichgeschalteten bürgerlichen Frauenbewegungen und war personell mit der NS-Frauenschaft eng verbunden. Das Frauenwerk sollte alle deutschen Frauen in den Dienst des Volkes und des Staates stellen und sie ideell auf den Krieg vorbereiten. Ziel war dabei, nicht nur eine Akzeptanz des Krieges, sondern auch die Bereitschaft der Frauen zu wecken, sich daran zu beteiligen.

NSF und DFW waren Gliederungen der NSDAP und wurden von der Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink geleitet, die schon am 4. April 1938 zu einer Massenkundgebung nach Linz kam und dabei die „deutschen Frauen“ aufforderte, am Aufbau des nationalsozialistischen Staates mitzuwirken. In der Folge wurden überall in Oberdonau frauenspezifische Kundgebungen abgehalten und Schulungstage veranstaltet, um mit dem Aufbau von NSF und DFW auch hier zu beginnen.

Bis Oktober 1938 war die Besetzung der Ämter in den beiden Organisationen abgeschlossen. Die in Grünau im Almtal geborene und in Schallerbach lebende Schneiderin und illegale Nationalsozialistin Maria Schicho wurde zur Leiterin der NSF und des DFW in Oberdonau ernannt. Im Dezember 1938 hatten die NS-Frauenorganisationen in Oberdonau 83.000 Mitgliederinnen und wiesen entsprechend der Gaustruktur 16 Kreisorganisationen mit 461 Ortsgruppen auf. Die lokalen Leiterinnen wurden von den männlichen Funktionsträgern der NSDAP ernannt.

Den offiziellen Abschluss des organisatorischen Aufbaues in Oberdonau bildete die Führerinnen-Tagung im Juni 1939 in Linz. Die Aktivitäten der Frauenorganisationen beschränkten sich vor allem auf politisch-ideologische Schulungen und die Vermittlung von hauswirtschaftlichen und mütterlichen Fertigkeiten. Außerdem nahmen sie die Rolle der „Caritas für die deutsche Volksgemeinschaft“ im Rahmen des Winterhilfswerkes, der Soldatenhilfe und verschiedener organisierter Arbeitseinsätze ein.

Autoren: Josef Goldberger und Cornelia Sulzbacher

 

Aus: Goldberger, Josef - Cornelia Sulzbacher: Oberdonau. Hrsg.: Oberösterreichisches Landesarchiv (Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus 11).- Linz 2008, 256 S. [Abschlussband zum gleichnamigen Forschungsprojekt des Oberösterreichischen Landesarchivs 2002-2008.]