Baumaßnahmen in Wels führten in den Jahren 2004 bis 2006 immer wieder in das Gräberfeld Ost. Die Aushubarbeiten für die Tiefgarage unter der Bahnhofcity und für einen neuen Kanal unter der Dr.-Groß-Straße förderten eine Vielzahl an Grabfunden zu Tage. Bereits im Jahre 1970 wurden bei der Anlage des östlich anschließenden Busbahnhofes zahlreiche römerzeitliche Funde geborgen, die damals leider in private Hände verschwanden.
Nachdem bei den aktuellen Grabungen der Asphalt und der Schotterunterbau abgetragen waren, zeigten sich die darunter liegenden Erdschichten weitgehend ungestört. Das Viertel um den Bahnhof, der Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, blieb nach dem Ende der Römerzeit nämlich weitgehend unverbaut. Nach Durchsicht der Funde stellte sich dann auch heraus, dass die Grabungen zwischen 2004 und 2006 zu den ergiebigsten der vergangenen 15 Jahre zählten.
Innerhalb einiger Monate wurden mehr als 220 Gräber geborgen, davon mehr als die Hälfte Brandbestattungen, bei den übrigen handelte es sich um Körpergräber. Im südlichen Teil der Grabungsfläche nahe der Dr.-Groß-Straße wurde ein 3,3 Meter breites Schotterband beobachtet. Dies sind die spärlichen Überreste der bereits im Jahre 2002 weiter östlich angetroffenen Straße, die in Ost-West-Richtung verlief. Nördlich dieser Straße wurde ein parallel laufender Mauerzug beobachtet. Vielleicht teilte dieser die nördlich und südlich davon entdeckten Gräber in zwei Bezirke.
Innerhalb eines Mauergevierts fanden sich drei Urnen aus Ton. Zwei Münzen des Antoninus Pius (138–161 n. Chr.) geben einen Anhaltspunkt für die Datierung. Unter den Tonurnen zeigte sich eine vollständig erhaltene Urne aus Glas, mit Resten eines Bleideckels. Solche Glasflaschen mit quadratischem Boden finden sich im italischen Raum, in Slowenien, aber auch in Pannonien. Sie gehören dem 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. an.
In der Grabgrube, deren Erde mit vielen Holzkohlestückchen des Scheiterhaufens durchsetzt war, fand sich auch eine Figurengruppe aus weißem Pfeifenton, wie er für mittelgallische Figürchen charakteristisch ist. Dargestellt ist eine weibliche Figur in langem Kleid und mit langen Haaren, die am Rücken mit einer Spange zusammengehalten sind. An der Leine hält sie einen Hirsch mit mächtigem Geweih. Wahrscheinlich stellt die Gruppe eine einheimische keltische Gottheit dar, die nach der Interpretation durch die Römer mit Diana, der Göttin der Jagd, gleichzusetzen ist.
Autorin: Renate Miglbauer, 2007
Spurensuche Archäologie - Dokumentation zur Ausstellung im Stadtmuseum Wels - Minoriten vom 4. Mai bis 14. Oktober 2007.