Die Urnen waren zumeist aus grauschwarz gebranntem Ton gefertigt, zuweilen waren sie mit Kammstrichwellenbändern verziert. Die Deckel waren vielfach durch den Erddruck zerbrochen und lagen in den Urnen. Manchmal diente zur Abdeckung der Urnen auch ein rot überfärbter Teller. Bei einem Grab waren es gar sieben Teller, die auf und um die Urne gelegt worden waren.
Die Urnen enthielten die verbrannten Knochenstückchen und Beigaben, in der Grabgrube selbst fanden sich Scherben von Tongefäßen, verschmolzene Stücke von Glasgefäßen und Holzkohlestückchen des Scheiterhaufens. In der Urne selbst befand sich häufig eine Tonlampe, außerhalb oft ein Nagel. Die Nägel dürften vom Scheiterhaufen stammen, der mit Eisennägeln fixiert wurde.
Bei etwa einem Drittel der Urnengräber fanden sich Münzen aus Bronze und Kupfer, die in selteneren Fällen in der Urne selbst, zumeist jedoch knapp darüber lagen. Dieser Grabobolus war nach der antiken Vorstellung für den Fährmann Charon bestimmt, der den Toten über den Fluss Styx setzte, dort wo die Unterwelt begann. Einmal wurden gar vier Bronzemünzen mitgegeben. Somit könnten diese auch Opfer für die Totengötter gewesen sein. Zudem sollten die Münzen wohl die Notwendigkeit von finanziellen Mitteln auch im Jenseits symbolisieren.
Tonlampen sollten die Wohnung des Toten erhellen und böse Geister abwehren. Die mitgegebenen Lampen waren zumeist noch nicht benützt, da die Schnauze, dort wo der Docht aus der Lampe ragte, nicht geschwärzt war. Zumeist waren es Lampen, die auf der Unterseite den Stempel der italischen Hersteller trugen, manchmal waren es aber auch Abformungen lokaler Töpfer. Lampen mit figuralen Darstellungen auf der Oberseite wurden aus Rätien importiert.
Autorin: Renate Miglbauer, 2007
Spurensuche Archäologie - Dokumentation zur Ausstellung im Stadtmuseum Wels - Minoriten vom 4. Mai bis 14. Oktober 2007.