Carl Pöschl

Soldat in Gefangenschaft in Sibirien

"Mein Vater, Carl Pöschl (1888 – 1971), Bindermeister in Perg, war Kriegsgefangener in Sibirien"
Karl Pöschl, Perg

"8. August 1914 bis 2. Juni 1918
Samstag den 8. August um 7 Uhr früh fuhren wir, das 3. Bataillon von Linz weg in den Krieg gegen Rußland. Am 28. früh marschierten wir in Gefechtsstellung gegen die Stadt Bels …
… der Feind sei ganz nahe und es ertönten schon unsere ersten Kanonenschüsse und wir zum Angriff übergingen. Das Gefecht dauerte bis Abend und gerade vor Schluß wurde ich verwundet. Da mußte ich die ganze Nacht im Freien liegen und den andern Tag bis zu Mittag dann wurde ich in ein Dorf gebracht und am andern Tag den 30. August wurde ich nach Bels transportiert wo Verbandsstation war aber es war auch nicht recht geheuer da öfters feindliche Geschoße in die Stadt einschlugen. Es sollen die paar Tage schon bei 2000 Verwundete gewesen sein.
"

Carl Pöschl, Tagebuchauszug


In der Gefangenschaft
"... und kamen nach 2 Nächten in Moskau an. Am 16. 10. wurden mit der Elektrischen in ein Spital geführt. Moskau ist eine ganz schöne Stadt.
... und kamen in neu gebaute Baracken für 10-20 Tausend Mann. Da ist die Ruhr ausgebrochen ... in Tjumen sollen bis 15. Juli 1915 schon 2500 Gefangene gestorben sein und in ganz Sibirien 25.000 Mann.
Kamen am 14. abends in Tobolsk an.
Am 19.11. haben wir nach 4 Monaten wieder Seife bekommen.
Am heiligen Abend hatten wir eine kleine Christbaumfeier und jeder erhielt Tabak, 1 Pfund Wurst und Weißbrot.
Am 31. Dezember hatten wir 42 Grad Kälte. Wir bekamen auch öfters Erbsensuppe da brauchten sie zum Kochen über 14 Stunden.
"

Carl Pöschl, Tagebuchauszug


Am 5.2.1917 das „Kistl“ erhalten –  eine besondere Geschichte:
Die Eltern schickten ein Versorgungs-Kistl in die sibirische Gefangenschaft – und es kam sogar an! Die Freude muß riesengroß gewesen sein (siehe Antwort auf der Karte). Carl Pöschl nahm das Kistl mit nach Hause und es befindet sich daher heute noch im Familienbesitz. Adresse und Absender sind noch leserlich.

Gold gab ich für Eisen. Das Leben der Landbevölkerung unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges. - Dokumentation zur Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg vom 5. Mai bis 26. Oktober 2014.