Vor allem historisch interessierte Personen verbinden mit dem Namen Mauthausen stets das berüchtigte nationalsozialistische Konzentrationslager. Weniger bekannt ist hingegen die Tatsache, dass der alte Donaumarkt während des Ersten Weltkrieges Standort eines großen Lagers für ca. 40.000 serbische und italienische Kriegsgefangene war. Es unterschied sich aber, was die Behandlung der Gefangenen anlangte, fundamental von den schrecklichen Qualen, die Häftlinge während der Nazizeit erdulden mussten.
Da man gar nicht mit einem solch großen Zustrom von gefangenen feindlichen Soldaten gerechnet hatte, entwickelte sich der Aufbau des Lagers anfänglich noch ganz improvisiert und ohne große Beachtung der hygienischen Vorschriften. So war es kein Wunder, dass Anfang 1915 eine große Flecktyphusseuche ausbrach, die auch die Zivilbevölkerung im Umland gefährdete.
Später wurde eine große Zahl an Kriegsgefangenen in der nahen und weiteren Umgebung des Lagers als landwirtschaftliche Hilfskräfte eingesetzt. Dabei kam es oft zu verbotenen Kontakten mit der Zivilbevölkerung, die von den Militärbehörden streng geahndet wurden.
Der Hungerwinter des Jahres 1916/17, auch als Steckrübenwinter bekannt, belastete noch einmal das Verhältnis von Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenenlager. Die Auflösung des Lagers im Spätherbst 1918 geschah ohne größere Zwischenfälle. Das weithin sichtbare italienische Mahnmal aus Carrara - Marmor ist heutzutage ein Appell für den Frieden und eine Mahnung an die Schrecken des Krieges.
Autor: Franz Moser
Objekte:
- Internes Papiergeld im Gefangenenlager Mauthausen.
- Von italienischen Kriegsgefangenen in der Freizeit erzeugte Gegenstände.
Heimatverein Mauthausen, Privatsammlung Mauthausen, Schauberger Karl, Sarmingstein
Gold gab ich für Eisen. Das Leben der Landbevölkerung unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges. - Dokumentation zur Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg vom 5. Mai bis 26. Oktober 2014.