Alltag und Veränderung

Propaganda und wirtschaftlicher Aufschwung mit neuen Arbeitsplätzen und bescheidenem Wohlstand beflügelte die Menschen und ließen sie über vieles hinwegsehen – wie die Arisierungen, die antisemitischen Exzesse und die Verhaftungen politischer Gegner. Vieles blieb jedoch nur leeres Versprechen: Über 700 Wohnungen wurden bis 1942 errichtet – meist aber nur an Mitglieder des Militärs, an deutsche Beamte und die zugezogenen Facharbeiter vergeben.

Aber auch das Leben des Einzelnen veränderte sich: Der Zwang der Mitglieder von Wehrmacht, Polizei, Beamtenschaft und Hitlerjugend zum Schwur auf den Führer war gleichzeitig auch eine Bindung an den Nationalsozialismus. Wer ihn nicht leistete, musste seinen Abschied nehmen, er verlor damit sein Einkommen und war der öffentlichen Repression ausgeliefert. Neben den Berufsorganisationen und den Vereinen kontrollierten weitere Organisationen bzw. Behörden das Leben stärker. Der Ariernachweise bis zu den Großeltern verpflichtend für die gesamte Bevölkerung und die Betonung des Ahnenerbes brachten eine Veränderung der Selbstsicht und eine Verstärkung des nationalen Gedankens. Ehestandsdarlehen und Eheunbedenklichkeitsnachweise waren massive Eingriffe in das Privatleben.

Das „Winterhilfswerk“ (WHW) sammelte Sach- und Geldspenden und unterstützte damit bedürftige Volksgenossen direkt oder über Nebenorganisationen der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV). Dadurch konnte die materielle Not von Teilen der Bevölkerung kostengünstig gelindert werden, das Element der Zusammengehörigkeit der „Volksgemeinschaft“ wurde betont. Das neue Frauenbild als Hausfrau und Mutter (Mutterkreuz) wollte die Frauen möglichst aus dem öffentlichen Leben und dem Beruf ausschließen – erst im Krieg änderte sich dies massiv!

Die Schulen bildeten neben den Jugendorganisationen das zentrale Zugriffsmittel auf die Kinder und Jugendlichen. Es erfolgte die Änderung des Lehrplanes nach ideologischen Inhalten. Lehrer waren regimetreu oder wurden versetzt oder gar entlassen. Die geistlichen Schulen wie das Mädchengymnasiums der Schulschwestern aus Vöcklabruck, die evangelische Schule und das Stiftsgymnasium in Kremsmünster wurden geschlossen oder durch nationalsozialistische Einrichtungen ersetzt.

Vor allem die Verbreitung von Medien bedeutete einen breiten Zugriff auf die Bevölkerung. Durch kostengünstige Volksempfänger und gesteuerte Zeitungen war es einfach, die Menschen mit Unterhaltung zu berühren, aber auch mit Ansprachen an die Führung zu binden und ideologische Inhalte zu vermitteln.

Autoren: Ingeborg Micko und Michael Kitzmantel

Wels 1938. Dokumentation einer Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.