Die Hitler-Jugend (HJ)
Die „Hitler-Jugend“ wurde bereits 1926 in Deutschland als nationalsozialistische Jugendbewegung gegründet. Sie blieb gegenüber anderen Jugendorganisationen eher unbedeutend. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland wandelte sich die HJ durch das Verbot sämtlicher konkurrierender Jugendverbände von einer Parteijugend zur Staatsjugend. Die anfangs noch formell „freiwillige“ Mitgliedschaft galt auch für Österreich nach dem "Anschluß" 1938. Nach Einführung der Zwangsmitgliedschaft (25. März 1939) waren nahezu alle Jugendlichen Mitglied der HJ.
Die uniformiert auftretenden und militärisch organisierte HJ, in der das Prinzip „Jugend wird von Jugend geführt“ weitgehend verwirklicht wurde, gliederte sich nach Altersgruppen und Geschlecht. Das „Deutsche Jungvolk“ (DJ) erfasste die 10- bis 14-jährigen Jungen, die eigentlichen HJ die 14- bis 18-jährigen Jungen. In gleicher Weise waren die zur HJ gehörenden Mädchenverbände in „Jungmädelbund“ (JM) und „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) gegliedert.
An den Vorabenden des Geburtstags des Führers Adolf Hitlers (20. April) sowie auf Reichsparteitagen wurde die in das Deutsche Jungvolk und den Jungmädelbund eintretenden „Pimpfe“ und „Jungmädel“ verpflichtet.
Feierliche Aufzüge, Propagandamärsche und Paraden, Fahrten, Geländespiel und Lagerleben machten die HJ für viele Jugendliche attraktiv. Wesentlich war auch die hohe gesellschaftliche Bedeutung, die der Jugend so zukam und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen ansprach. Unerlässlicher Bestandteil des HJ-Dienstes war der sogenannte Heimabend, an dem sich ein- bis zweimal wöchentlich kleinere HJ-Ortsgruppen trafen. Über die HJ erfolgte nicht nur die Vermittlung von NS-Ideologie mit ihrem Wertesystem von Gefolgschaftstreue, Kameradschaft, Pflichterfüllung und Willensstärke. Mit der Betonung der körperlichen Leistungsfähigkeit und ihrer paramilitärischen Ausbildung diente die HJ immer stärker zur Rekrutierung von Soldaten.
Autoren: Ingeborg Micko und Michael Kitzmantel
Wels 1938. Dokumentation einer Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.