Den Nationalsozialisten war wichtig die Bevölkerung in allen Bereichen neu zu organisieren um alte Strukturen zu zerstören und den Einfluss der Partei auf den Einzelnen zu erhöhen.
Die Jugend wurde durch Zwangsmitgliedschaft bei der„Hitler Jugend“ (HJ) bzw. beim „Bund deutscher Mädel“ (BDM) und deren Vororganisationen „Deutsches Jungvolk“ und „Jungmädelbund“ aufgefangen. Die Kinder und Jugendlichen wurden mit Fahrten, Zeltlagern, Gemeinschaftserlebnissen und speziellen Angeboten wie Segelfliegen oder Motorrädern begeistert. Das Einüben von Befehl und Gehorsam, Kameradschaft, Disziplin und Selbstaufopferung für die „Volksgemeinschaft“ gehörten zu den vorrangigen Erziehungszielen – bei der Hitler Jugend waren auch paramilitärische und ideologische Schulungen Teil der Ausbildung.
Anschließend erfolgte die Aufnahme in den „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) für beinahe alle jungen Erwachsenen mit sechs Monaten Dienstzeit. In der knappen Freizeit gab es praktisch keine Rückzugsmöglichkeiten. Auch die Abende waren in aller Regel verplant und eine Möglichkeit, das Lager außerhalb der Dienstzeiten zu verlassen, grundsätzlich nicht vorgesehen. Der RAD ersetzte das bisherige soziale Umfeld völlig. So sollte in der neuen Gemeinschaft eine kollektive Identität ausgebildet werden. Mit diesen Arbeitskräften konnte man die geplanten Großprojekte kostengünstig vorantreiben.
Der „NS-Deutscher Studentenbund“ (NSDStB), die „NS-Frauenschaft“ (NSF) und das „Deutsches Frauenwerk“ (DFW), Berufsvereinigungen, „Reichsarbeitsdienst“ (RAD), „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) und die „NS-Volkswohlfahrt“ (NSV) erfassten weite Bereiche der Bevölkerung. Die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) ersetzte neben den Betriebsgemeinschaften die Gewerkschaften, kontrollierte und organisierte aber auch die Freizeit. Die „NS-Volkswohlfahrt“ (NSV - Gesundheitsfürsorge, Vorsorgeuntersuchungen sowie die medizinische Betreuung), der „NS-Deutsche Ärztebund“ (NSDÄB), der „NS-Lehrerbund“ (NSLB), der „NS-Beamtenbund“ und der „NS-Juristenbund“ sowie der „NS-Bund Deutscher Technik“ – alle Bereiche des Berufs und der Freizeit (KdF – „Kraft durch Freude“) wurden organisiert. Die wenigen Vereine und Organisationen die weiter existieren durften wurden durch linientreue Parteigänger geleitet und nach nationalsozialistischen Prinzipien neu organisiert – so das Rote Kreuz und in Wels die Vogelfreunde.
Autoren: Ingeborg Micko und Michael Kitzmantel
Wels 1938. Dokumentation einer Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Wels vom 5. Juni bis 27. Oktober 2013 im Stadtmuseum Wels - Burg.