Das zweite Leben
des Königs

Mit dem Tod von Přemysl Ottokar II., des fünften König von Böhmen, geht seine Geschichte nicht zu Ende. Sie setzt sich in vielen Kunstwerken und in der Geschichtsschreibung fort.

Nicht lange nach seinem Tod im frühen 14. Jhdt. erscheint Ottokar als eine der vielen Figuren in Dante Alighieris Göttlicher Komödie. Er trifft sich mit dem römischen König Rudolf von Habsburg im Fegefeuer. Da wird Ottokar als der tapfere Herrscher jenes Landes bezeichnet, in dem „die Wasser geboren werden“, wo die Moldau und die Elbe ihren Ursprung haben. Sein Erbe führte der römische Kaiser und böhmische König Karl IV. (1316–1378) bewusst weiter. Seine Mutter war nämlich Elisabeth von Böhmen, die Enkelin Ottokars, und sein Vater der böhmische König Johann der Blinde.

Im 19. Jahrhundert erwachte das Interesse am Leben und den Taten Ottokars II. Er wird zur Hauptfigur in dem Drama „König Ottokars Glück und Ende“ von Franz Grillparzer. Dieses klassische Drama wird auch heute noch neu interpretiert. Im Jahr 2018 wurde es erneut auf der Theaterbühne in Wien und 2020 in Prag aufgeführt.

König Ottokar II. diente später immer wieder in der Kunst, Literatur und der Geschichtsforschung als Inspirationquelle. Traditionell wird er als der „Eiserne und Goldene König“ bezeichnet. Im mitteleuropäischen Kontext war König Ottokar II. einer der ersten Förderer der dynastischen mitteleuropäischen Staatsintegration, die von den Luxemburgern und Jagiellonen fortgesetzt wurde. Die Habsburger haben sie schließlich verwirklicht.

In Ottokars Werk schätzt unsere Zeit eine rasche Vermehrung der Gesellschaft durch die Kolonisation, Entwicklung der ritterlichen Kultur und Stadtgründungen. Zahlreiche neue Städte wurden zu Trägern des wirtschaftlichen und geistigen Wachstums im Mittelalter und in der Neuzeit.

Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024


PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.