DER ARME GRAF VON HABSBURG
Přemysl Ottokars beispielloser Aufstieg zur Macht wurde vor allem durch die schwache Position der beiden römischen Könige ermöglicht, die Deutschland von Spanien und England aus regierten. Als die Fürsten 1273 einen neuen Reichsfürsten wählten, entschieden sie sich für den nicht besonders wohlhabenden Rudolf Graf von Habsburg (Habichtsburg) anstelle des mächtigen Königs von Böhmen. Der neue König machte es zu seinem Hauptziel, Ottokar die österreichischen Ländereien wegzunehmen. Er belegte den böhmischen Herrscher mit einem Fluch und zwang ihn 1276 mit einem Feldzug nach Wien, sich in Ungnade zu ergeben.
MARCHFELD
Die angespannten Beziehungen und lokalen Streitigkeiten zwischen den Anhängern Ottokars und König Rudolfs gingen weiter. Die Auseinandersetzung endete in einer Entscheidungsschlacht „am Tag des heiligen Rufus”, dem 26. August 1278, im Gebiet der österreichischen Dörfer Dürnkrut und Jedenspeigen, in der Ebene, die Marchfeld genannt wird, wo Rudolf von Habsburg siegreich war und der böhmische König den Heldentod fand.
KÖNIG OHNE GRAB
Der entkleidete und nackte Körper von Přemysl Ottokar II., der auf dem Schlachtfeld gefunden wurde, wurde in einem Karren nach Marchegg und dann nach Wien transportiert, wo er einbalsamiert wurde, nachdem ihm die Eingeweide entfernt worden waren. Die Wiener Mönche brachten die sterblichen Überreste des Königs schweigend und ohne Glockengeläut in das Minoritenkloster, denn auch der tote
Ottokar stand noch unter einem Fluch und konnte nicht in einer Kirche bestattet werden. Rudolf von Habsburg nutzte diese Situation aus und stellte seinen toten Schwager 30 Tage lang aus, damit niemand an seinem Tod zweifeln konnte. Erst ein halbes Jahr später gab Rudolf sein Einverständnis, dass der Leichnam des böhmischen Königs vorübergehend im Minoritenkloster in Znaim beigesetzt werden durfte. Přemysl erhielt erst 16 Jahre später religiöse Zeremonien, als sein Sohn, König Wenzel II., ihn 1296 auf die Prager Burg überführen und dort in der Veitsbasilika feierlich bestatten ließ.
BEGRÄBNISINSIGNIEN VON PŘEMYSL OTTOKAR II.
Anlässlich des verspäteten Begräbnisses von Přemysl in der Veitsbasilika auf der Prager Burg im Jahr 1296 ließ sein Sohn Wenzel II. die Insignien des Monarchen aus vergoldetem Silber anfertigen. Die Krone wurde auf das Haupt des toten Königs gesetzt und das Zepter mit dem Reichsapfel in seine Hände gelegt. Grabschmuck aus vergoldetem Silber gehörte im Mittelalter zu den Ausnahmen. Damals war es üblich, dass Könige und Kaiser Hoheitsabzeichen aus viel einfacheren Materialien wie Metallplatten oder Holz erhielten. Die lateinische Inschrift auf der Krone Ottokars lautet übersetzt: „Dies sind die Gebeine Ottokars des Edlen, des fünften Königs von Böhmen”.
Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024
PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.