Přemysliden
und das Erbe der Babenberger 1251–1259

DIE MITGIFT EINER DREISSIG JAHRE ÄLTEREN BRAUT


Als die Herzöge der Babenberger 1246 ausstarben, kam es zu dynastischen Streitigkeiten in den österreichischen Ländern. Nach zweijährigen Verhandlungen im Herbst 1251 bot die örtliche Landesvertretung die Herrschaft dem böhmischen König Wenzel I. an, der seinen Sohn, den mährischen Markgrafen Přemysl Ottokar, in den Donauraum schickte. Der neunzehnjährige Ottokar bestätigte bald seine neue Titel als Herzog von Österreich und der Steiermark, indem er die fast fünfzigjährige Erbin der erworbenen Länder, Margarete von Babenberg, heiratete. Der Erfolg des jungen Ottokar ließ seine ungarischen und bayerischen Nachbarn jedoch nicht ohne Reaktion. Im Jahr 1253 führte König Béla IV. von Ungarn einen massiven Angriff auf Mähren an, der von Truppen aus Polen, Galizien und Russland unterstützt wurde. Erst das Eingreifen von Papst Inocent IV. im Jahr 1254 brachte Frieden. Gemäß dem in Buda geschlossenen Frieden wurde das babenbergische Erbe zwischen Přemysl (Österreich) und König Béla IV. von Ungarn (Steiermark) aufgeteilt.

ERBE UND HERR DES KÖNIGREICHS BÖHMEN

Während Ottokar sich auf den Schlachtfeldern befand, erhielt er die Nachricht, dass sein Vater, König Wenzel I., am 22. September 1253 gestorben war. Die Macht des jungen Monarchen war bald so gestiegen, dass er sogar für den Titel des Römisch-Deutschen Königs in Betracht gezogen wurde, der zum Kaisertitel hätte erweitert werden können. Přemysl nahm dieses Angebot nicht an, da er keine Unterstützung durch den Papst erhielt.

DER KREUZZUG NACH PREUSSEN

Um die Jahreswende 1254/1255 brach Ottokar II. mit dem Adel seiner Länder und benachbarten Fürsten zu einem Kreuzzug gegen die heidnischen Preußen an die Ostsee auf. Die Heere überquerten die zugefrorene Bucht vor der Küste und eroberten anschließend die heidnischen Gebiete.
Der Feldzug festigte vor allem die Position des Deutschen Ordens im Baltikum, und der junge Herrscher trug zur Bekehrung des Gebiets zum christlichen Glauben bei.
Er wurde sogar Pate für die getauften Führer des heidnischen Preußens. So nahmen beispielsweise Vok von Rosenberg und wahrscheinlich auch der Sänger Sigeher, der für Přemysl Ottokar Lobgesänge in deutscher Sprache verfasste, an der Expedition teil.

Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024

Der deutsche Sänger Sigeher feiert Přemysl Ottokar II. als den zukünftigen Kaiser, in dessen Adern das kaiserliche Blut der Staufer-Dynastie floss.

Der deutsche Sänger Sigeher feiert Přemysl Ottokar II. als den zukünftigen Kaiser, in dessen Adern das kaiserliche Blut der Staufer-Dynastie floss.
Ein solcher König ist Ottokar, der kühne Böhme, der Berge, Täler und Hänge plätten kann, wenn er will. Dieser Stauf wird dieses Jahr höher steigen: du wirst von mehr Ehre hören, als je ein Sänger besungen hat.

Die Rache von König Wenzel I. an seinem rebellischen Sohn Přemysl Ottokar und seinen Anführern Chronik des sogenannten Dalimilus:

Die Rache von König Wenzel I. an seinem rebellischen Sohn Přemysl Ottokar und seinen Anführern Chronik des sogenannten Dalimilus:
Der König wird ein Fest zu Ehren seines Sohnes veranstalten. Als sich der Prinz im Kreise seiner Gefährten freute, brachten einige Diener kopflose, rohe und schleimige Fische an den Tisch der Festgäste. Wie Wölfe starrten sie alle erstaunt. Der rebellische Prinz wird mit silbernen Fesseln gefesselt, und die anderen in den dunklen Kerker geworfen. „Ottokar hat nur einen kurzen Aufenthalt in seiner Zelle, die anderen schmachten drei Jahre in der Zitadelle.“


PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.