Ein Vierteljahrhundert
der Städte

Während der Herrschaft von Přemysl Ottokar II. in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen allein in den böhmischen Ländern rund dreißig Königsstädte hinzu, was im nationalen und europäischen Maßstab über die Grenzen der heutigen Staaten Tschechien und Österreich hinaus einzigartig war.

FUNKTIONEN DER STÄDTE

Die Städte gewährten ihren Bewohnern den Status eines Bürgers, d. h. einer Person, die nicht der körperlichen Knechtschaft und der Arbeit unterworfen war, mit dem Recht, ein freies Gewerbe auszuüben. Die gemeinsame Funktion der mittelalterlichen Städte war die Markt- und Handwerksproduktion. Dank ihrer Mauern waren sie für ihre Bewohner Inseln des relativen Friedens. Sie wurden zu Zentren des Handels, des Bildungswesens und nicht zuletzt auch zu geistlichen Zentren.

DER PROZESS DER STADTGRÜNDUNG

Die erste Exekutivfunktion der Stadt wurde durch den so genannten Lokator ausgeübt, der vom König ernannt wurde. Er überwachte die vorbereitenden Arbeiten, die Vermessung des Stadtplans und die Parzellierung der Stadt, die die Grundlage für die städtebauliche Ordnung der Stadt darstellt. Nach der Gründung der Stadt wurde der König durch den Stadtschreiber vertreten. Bereits im 13. Jahrhundert bildeten sich Stadträte mit einem Bürgermeister an der Spitze heraus – die Keimzelle der späteren Kommunalverwaltung.

Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024


PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.