Der gekrönte Sieger Přemysl Ottokar II. unterstützte 1259 militärisch den steirischen Adel, der sich gegen die ungarische Herrschaft auflehnte und den böhmischen Monarchen zum Herzog wählte. Der Streit um die Steiermark wurde 1260 in der Schlacht von Kressenbrunn (Groissen Brunn) entschieden, in der das böhmische Heer König Béla IV. von Ungarn besiegte. Im Rahmen der Versöhnung heiratete Přemysl die Enkelin von Béla, Kunhuta von Halych, die er am 25. Dezember 1261 in der St.-Veits-Basilika auf der Prager Burg heiratete. Erst von diesem Moment an begann Přemysl sich in seinen Briefen als „von Gottes Gnaden fünfter König von Böhmen” zu bezeichnen.
DER UNERFÜLLTE TRAUM VON EINER BÖHMISCHEN REGIERUNG IM BALTIKUM
Ottokars Berater war der erfahrene Diplomat, Bischof Bruno von Schauenburg (1245–1281), der unter anderem zwei von Ottokars Feldzügen ins Baltikum initiierte. Ziel des zweiten Kreuzzuges des böhmischen Königs war nicht nur die Unterstützung des Deutschen Ritterordens im Kampf gegen die heidnischen Preußen, sondern vor allem die Unterwerfung der eroberten Länder unter die böhmische
Herrschaft. König Ottokar beabsichtigte, seine neuen Přemyslidischen Herrschaftsgebiete kirchlich dem Bischof von Olmütz zu unterstellen, den er zum Erzbischof erheben wollte. Die Expedition selbst fand im Winter zwischen 1267 und 1268 statt, als die Flüsse zugefroren waren. Die Flüsse tauten jedoch unerwartet auf und die Expedition war nach zwei Monaten gescheitert. Ottokar erhielt nicht einmal die Erlaubnis des Papstes, das Erzbistum Olmütz zu gründen.
HERRSCHER ÜBER DIE SIEBEN LÄNDER
Der böhmische König gewann auch erheblichen Einfluss im Bistum Passau und vor allem im Erzbistum Salzburg, wo er von 1264 bis 1265 faktisch mit päpstlicher Vollmacht regierte, bevor er seinen Cousin Wladislav von Breslau (†1270) zum Erzbischof ernannte. Gleichzeitig baute Přemysl Ottokar II. systematisch ein Netz von loyalen Verbündeten mit den benachbarten Monarchen auf, die er häufig an seinem Hof empfing. Zu ihnen gehörte insbesondere Ottokars südlicher Nachbar und Verwandter Oldrich von Sponheim (†1269), der in Kärnten und Krain regierte.
Der kinderlose Herzog vermachte seine Alpenländereien durch einen 1268 in Poděbrady geschlossenen Vertrag dem böhmischen König, der sie nach seinem Tod 1270 in Besitz nahm. Die Herrschaft Ottokars wurde auch von der norditalienischen Stadt Pordenone anerkannt. Zwei Jahre später besetzte er militärisch Cividale und wurde vorübergehend Verwalter von Friaul, das zur Patriarchatskirche in Aquileia gehörte. Die Macht des böhmischen Königs reichte bis zur Adria, bis an den Stadtrand von Venedig. Sein Reich erstreckte sich vom Erzgebirge bis zur Adria über 600 Kilometer.
Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024
„Wer würde nicht die Größe dieses Königs bewundern, der von seiner Wiege an, der goldene König genannt wurde und der wegen seines Reichtums und seiner Herrlichkeit unter allen Königen und Fürsten der Welt berühmt wurde?”
PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.