Dieses äußerst einzigartige Reliquienkreuz, wahrscheinlich ein Krönungskreuz, wird nach seinem Auftraggeber auch Ottokar-Kreuz genannt. Es handelt sich um ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, das offensichtlich mit dem fünften böhmischen König in Verbindung steht und bis in unsere Tage erhalten geblieben ist. Das Ottokar-Kreuz befindet sich heute in Bayern im Domschatz der Kathedrale St. Peter und Paul in Regensburg, wohin es während der Regierung von König Johann von Böhmen gebracht wurde. Die kostbare Reliquie des Kreuzes Christi ist auf der Vorderseite hinter Kristallglas als einfaches Holzkreuz mit zwei Querstäben angebracht. Der Besteller war Přemysl Ottokar II. (1253–1278). Durch einen Brief vom 29. Mai 1313 wissen wir, wie dieses wertvolle Objekt nach Regensburg kam. Der böhmische König Johann von Luxemburg (1310–1346) geriet in finanzielle Schwierigkeiten und gab das Kreuz als Pfand an den Prager Finanzier Nikolaus von Turri. Letztere verpfändeten es an jüdische Kaufleute in Regensburg weiter. Der Bischof von Regensburg, Nikolaus von Ybbs, bat König Johann, dessen Sekretär er war, um die Erlaubnis, das Kreuz aus dem Pfand zu lösen. Die Zustimmung des Königs wird in einer Urkunde festgehalten. Der Bischof ließ dem Kreuz einen vergoldeten Sockel machen.
Autoren: Lukáš Reitinger, Svatomír Mlčoch (Inhalt), Martin Polák (Deutsche Übersetzung), 2024
PŘEMSYL OTTOKAR II. - König von Böhmen, Herzog von Österreich - Dokumentation der Sonderausstellung des Vereins der Ottokar-Städte und der Stadt Budweis vom 6. Juli 2024 bis 2. Februar 2025 im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt.