Gründer
und Erbauer

Die wirtschaftliche Lage der Rosenberger ermöglichten große Bauvorhaben in ihrem Herrschaftsbereich. Die Erfahrungen, welche die Rosenberger während ihrer zahlreichen Reisen durch Europa sammelten, nutzten sie beim Umbau von ehemaligen gotischen Burgen und Ansitzen in prächtige wohnliche Residenzen, die den Geist der italienischen Renaissance trugen und bis heute zum Teil noch bemerkbar sind. Die Wiege des Geschlechts ist die Burg Rožmberk (Rosenberg), die von Vok (Wok) I. vor dem Jahr 1250 auf einem bedeutenden Handelsweg von Böhmen nach Österreich errichtet wurde.


Rožmberk (Rosenberg), die zu den ältesten Burgen Südböhmens gehört, wurde im 16. Jhdt. im Stil der Renaissance umgebaut.
Weitere Umbauten folgten im 18. und 19. Jhdt. Unweit von Rožmberk (Rosenberg), stromaufwärts der Vltava (Moldau), liegt die Ruine der höchstgelegenen Burg in Böhmen, Vítkův Hrádek (Wittinghausen). Sie wurde in der Hälfte des 13. Jhdts. von Vítek (Witiko) aus Česky Krumlov (Krumau) als Verwaltungs- und Verteidigungszentrum des neubesetzten Gebietes erbaut und nach dem Aussterben des Krumauer Zweigs der Wittigonen gelangte sie im Jahre 1302 in den Besitz der Rosenberger.

Der Burg- und Schlosskomplex in Český Krumlov (Krumau), gekennzeichnet durch sein Ausmaß und die einmalige architektonische Entwicklung, gehört mit Recht zu den Unikaten Europas. Die vor dem Jahr 1250 gegründete Burg fiel nach dem Aussterben der Herren aus Krumau im Jahre 1302 durch das königliche Privilegium den Rosenbergern zu und wurde für drei Jahrhunderte zu deren Residenz. Die Bezeichnung „Böhmisch“ („Český“) benutzte man im Zusammenhang mit Krumau schon im 15. Jhdt.

Das Lustschloss Kratochvíle (Kurzweil) ließ Vilém (Wilhelm) von Rosenberg im Jahre 1583 als seinen Sommersitz nach dem Muster der italienischen Renaissancevillen bauen. Bemerkenswert dabei ist, dass es wegen des sumpfigen Bodens unmöglich war, Steinfundamente zu setzen. Deshalb steht der ganze Bau auf Erlen- und Eichenpiloten, die durch das Einwirken von Feuchtigkeit versteinerten. Das Gehege für Wild in der Nähe des Schlosses gehörte zu den größten in Böhmen.

Auf der Stelle des imposanten Schlosses in Třeboň (Wittingau) stand im 14. Jhdt. eine steinerne Burg. Damals kauften die Rosenberger die Ansiedlung und verliehen ihr im Anschluss daran den Stadtstatus, wodurch sich eine positive Entwicklung ergab. Im 16. Jhdt. wurde die Burg, die schon Vok (Wok) II . nach 1479 umgebaut hatte, in ein Renaissance-Schloss umgewandelt. Weitere Veränderungen und eine Erweiterung der Stadt führte Petr Vok (Peter Wok) durch, der Třeboň (Wittingau) zu seinem dauerndem Wohnsitz machte. Besonders im Mittelalter war das Baugewerbe in der Rosenberger Herrschaft deutlich von der Passauer Domhütte geprägt, die auch die Steimetze und ihre Arbeit beeinflusste. Daraus entwickelte sich 1497 die eigenständige Rosenberger Bauhütte, die eine Reihe von hervorragenden südböhmischen spätgotischen Kirchen schuf. Zu den bedeutendsten gehören die Kirchen in Dolní Dvořiště (Unterhaid), Hořice na Šumavě (Höritz im Böhmerwald), Rožmberk (Rosenberg) oder die imposante Kirche der Hl. Maria Magdalena in Chvalšiny (Kalsching).

Die Herren von Rosenberg. Vom Wirken und Erbe einer Adelsfamilie – Dokumentation zur Sonderausstellung im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt (Arkadengang im Schlosshof) vom 10. Juni bis 28. August 2022. Die Ausstellung wurde 2011 vom Regionalmuseum Krumau Český Krumlov (Mgr. Filip Lysek und Mgr. Ivan Slavik) und Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt (Fritz Fellner) unter Mitwirkung des Tschechischen nationalen Denkmalinstituts konzipiert und gestaltet. 2022 wurde sie, ergänzt um einige Tafeln, erneut im Mühlviertler Schlossmuseum gezeigt. Die Bilder stammen aus den genannten Institutionen.