Der Eisenhandel konzentrierte sich in den alten otakarischen Burgorten und Herrschaftsmittelpunkten Steyr und Leoben, die sich als privilegierte Zentren für den Handel mit Innerberger und Vordernberger Eisen durchsetzen konnten. 1287 erhielt Steyr sein Großes Privileg für den Handel mit Innerberger Eisen und 1314 Leoben für den mit dem Vordernberger Eisen, wodurch Judenburg ins zweite Glied gedrängt wurde. Von Vorteil für Steyr und Leoben war es, dass die nächsten Konkurrenten, Waidhofen und Trofaiach, sich nicht in landesfürstlich-habsburgischem, sondern in quasi „ausländischem“ Besitz befanden, Waidhofen bis 1803 als bischöflich freisingische Enklave, daher oft im Unterschied zu „Böhmisch Waidhofen“ auch „Bischöflich“ oder „Bayerisch Waidhofen“ genannt, Trofaiach als salzburgische Stadt. Die österreichisch-steiermärkischen Landesfürsten waren aus verständlichen Gründen bestrebt, die nicht landesfürstlichen Orte aus dem Geschäft zu drängen.
In langen, erbittert geführten Streitereien konnte sich Steyr gegen Waidhofen und Leoben gegen Trofaiach durchsetzen. Es hing von den jeweiligen politischen Kräfteverhältnissen und Konstellationen ab, wer welche Vorteile für sich geltend machen konnte. Während der Herrschaft König Ottokars von Böhmen erging es Waidhofen gut und begann sein Aufstieg. 1266 befreite Ottokar den Marktflecken, der durch ihn auch das Stadtrecht erlangt haben dürfte, von der Unterordnung unter Aschbach. 1277 jedenfalls ist für Waidhofen erstmals der Titel „Stadt“ belegt. Als die Habsburger an die Macht kamen, stärkten sie wiederum Steyr. Albrecht III. verbot im Jahre 1371 der Stadt Waidhofen, die sich immer als „Schlyssel zur Eisenwurzen“ verstand, den Handel mit Eisen, ausgenommen das, was die Waidhofener Handwerker selbst verarbeiten konnten. Nach der habsburgischen Länderteilung im Jahre 1379 versuchten die innerösterreichischen Habsburger das freisingische Waidhofen gegenüber dem oberösterreichischen Steyr zu stärken. Als Steyr 1440 in den Erbfolgestreitereien nach dem Tode Albrechts II. gegen Friedrich III. Partei ergriffen hatte, rächte sich dieser an den Steyrer Bürgern mit einem Privileg für Waidhofen. 1460 stärkte Erzherzog Albrecht VI., der Oberösterreich sehr förderte, wiederum die Stellung Steyrs.
Der sich über Jahrhunderte hinziehende Streit endete 1501 mit einem endgültigen Entscheid Kaiser Maximilians I. zugunsten Steyrs. Waidhofens Handel mit Roheisen und Halbfabrikaten wurde auf die Deckung des Eigenbedarfs der dort ansässigen Produktionsbetriebe beschränkt. Im Fernhandel verblieb der Stadt nur der Handel mit Fertigwaren und mit den so genannten Provianteisensorten, die gegen Lieferung von Proviant bezogen wurden, und davon nur so viel, als in der Dreimeilenzone verarbeitet werden konnte. 1515 versuchten die Waidhofener noch einmal, wenn auch vergebens, in einer Bittschrift an den Kaiser eine Rücknahme dieser Bestimmungen zu erreichen, die sie aus dem lukrativen Handel mit Roh- und Halbprodukten ausschlossen.
Ähnlich erging es den Bürgern des salzburgischen Trofaiach oder des bambergischen Kirchdorf. 1410 verbot Herzog Ernst den Kirchdorfern den Handel mit venezianischen Waren über Zeiring sowie den Transport von Eisen über die Buchau und den Pyhrn.
Steyr beherrschte den Eisenhandel. Die Stadt hatte eine Holzniederlage. Sie war Mittelpunkt eines Proviantbezirkes, daher auch im Lebensmittelhandel entsprechend engagiert. Im Süden war Leoben ähnlich begünstigt. Aber auch die übrigen Städte und Märkte der Eisenwurzen konnten mit ihren bürgerlichen Privilegien gutbürgerlich leben: dass es den Waidhofener Eisen- und Provianthändlern, ebenso den dreimärktischen in Scheibbs, Purgstall und Gresten, oder den Bürgern in Weyer, in Windischgarsten und Kirchdorf, in Trofaiach, Judenburg und Bruck ganz gut ging, davon zeugen bis heute die stattlichen Gebäude in den jeweiligen Ortszentren.
Der Erfolg wurde nicht allein von der günstigen Lage und der Privilegierung der einzelnen Bürgerschaften, sondern auch von der Tüchtigkeit der handelnden Personen bestimmt. Die Eisenhändler der Eisenwurzen waren ohnehin, auf sich allein gestellt, viel zu klein. Sie brauchten Partner in den landesfürstlichen Städten und Niederlagsorten, in Linz, Wels, Freistadt und Enns, in Ybbs, Krems und Wien, in Bruck und Judenburg, in Graz und Murau. Das ganz große Kapital aber war anderswo beheimatet: in Nürnberg und Augsburg, in Regensburg und Frankfurt, in Breslau und Krakau und natürlich in Venedig. Dorthin musste man reisen, um Handelsbeziehungen anknüpfen zu können, von dort kamen die Faktoren und Handelsleute, um ihrerseits in der Eisenwurzen einzukaufen.
Um 1450 erreichte Steyr den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung. Es war nach Wien die vornehmste und größte Stadt Österreichs: die imposante Stadtpfarrkirche, die steilgiebeligen Bürgerhäuser und die lauschigen Arkadenhöfe entstanden. Manche Steyrer Handelsleute und Eisenhändler waren so reich, dass sie sich Hauskapellen mit eigenen Priesterwohnungen einrichten konnten. Im späten 17. und im 18. Jahrhundert erlebte Steyr eine zweite Blüte, als Hauptaktionär der Innerberger Hauptgewerkschaft und als Zentrum des Eisen-, Proviant- und Waffenhandels. Die gotisch-altdeutschen Bürger- und Handwerkerhäuser erhielten ein barockes Gepräge: Mit dem Rathausneubau (1765-78) schufen sich die Steyrer Stadtväter eines der wenigen barocken Rathäuser Österreichs.
1581 arbeiteten kaiserliche Beamte und Steyrer Bürger eine neue Verlagsordnung für den gesamten Innerberger Bereich aus. Das Handels- und Finanzierungsgeschäft wurde den einzelnen Steyrer Händlern entzogen und dafür einer von ihnen gemeinsam gegründeten Gesellschaft übertragen, der Steyrer Eisenhandelscompagnie. Diese nahm 1583 die Geschäftstätigkeit auf, die Stadt Steyr haftete für das Unternehmen.
Überall erforderte oder begünstigte der wachsende Kapitalbedarf das Eindringen kapitalkräftiger Geldgeber. Als älteste Kapitalgesellschaft Österreichs gilt die „Commune“ der Leobner Eisenhändler von 1415, die später zweimal erneuert wurde. Eine ähnliche Commune richteten auch die Steyrer Eisenhändler im späten 16. Jahrhundert ein, die Scheibbser diskutierten eine derartige Gesellschaftsform. Der größte Coup aber gelang den Steyrern mit der Erringung der Herrschaft über die 1625 errichtete Innerberger Hauptgewerkschaft.
Einzelne Handelsleute konnten sich zu weit über die Stadt hinausreichender Bedeutung aufschwingen, riesige Reichtümer anhäufen und geradezu „amerikanische“ Karrieren vorweisen: Der Steyrer Lorenz Gutbrodt schaffte innerhalb von acht Jahren, von 1498 bis 1506, den Aufstieg vom armen Diener zum reichen Kapitalisten, Andre Khölnpeck, aus niederem Adel stammend, kam als Angestellter der Fugger nach Österreich, heiratete in eine Eisenhändlerfamilie ein und erwarb in insgesamt vier Ehen solchen Reichtum, daß er sich 1539 eine landständische Herrschaft kaufen und aus dem Handelsgeschäft zurückziehen konnte. Viele andere Familien, zum Beispiel die Händl, Strasser und Engl gingen diesen Weg.
Das wohl eindrucksvollste Beispiel eines spätmittelalterlichen Patrizierhauses in Oberösterreich, ja wohl in ganz Österreich, das Steyrer „Bummerlhaus“, stand im Eigentum des „venedigischen Handelsmanns“ und persönlichen Freunds Kaiser Maximilians I. Hans Prandstetter, genannt „der reiche Prandstetter“. Es wird von einem Besuch Kaiser Maximilians bei Prandstetter berichtet. Der Kaiser ließ sich dort die reichen Schätze des Hausherrn zeigen. Als Maximilian fragte, was er ihm davon schenken oder verehren werde, antwortete der gewitzte Kaufmann, dass ja ohnehin alles Gut und Gold dem Kaiser gehöre. Der Kaiser, erfreut über diese Antwort, soll, ganz gegen seine Gewohnheit, nur einen Dukaten zum Gedächtnis mitgenommen haben.
Auch das Kornmesserhaus in Bruck an der Mur, in einer an venezianischen Vorbildern orientierten Form gestaltet und einer der bedeutendsten Profanbauten der österreichischen Spätgotik, war zwischen 1499 und 1505 von einem Eisenhändler und Hammerherrn errichtet worden, Pangraz Kornmesser, einem der reichsten Bürger der damaligen Steiermark und ebenfalls engen Vertrauten und Geldgeber Kaiser Maximilians.
Ein anderer dieser Kapitalisten war der Welser Eisenhändler Christoph Weiß, der Erzherzog Matthias um 1596 nicht weniger als 100.000 Gulden vorgestreckt und dafür die Herrschaft Wels zum Pfand erhalten hatte und später auch die Herrschaften Niederwallsee und Schloss Würting kaufte. Weiß, als Waisenknabe von einem Vöcklamarkter Kaufmann adoptiert, kam nach Wels, engagierte sich vor allem im Eisenhandel nach Nürnberg, Regensburg und Frankfurt und war mit einer sehr großen Einlage von 70.000 Gulden bei der Steyrer Eisenhandelskompagnie beteiligt. Nach seinem Tode im Jahr 1617 schwand der Reichtum der Familie Weiß so rasch dahin, wie er entstanden war.
Das mächtigste Steyrer Handelsgeschlecht des 17. Jahrhunderts waren die aus Tirol zugewanderten Mittermayr, die eine Eisenhandlung gründeten, bald zu Waffenlieferanten aufstiegen, sich auch im Kupfer-, Blei- und Quecksilberhandel eine wichtige Position schaffen konnten und als „von Waffenberg“ in den Freiherrn- und später sogar Grafenstand erhoben wurden und aus dem Eisenhandel ausschieden.
Unter den Steyrer Handelsherren, die es zu hohen Vermögen und Positionen brachten, wären viele zu nennen: die Luckner, Mann, Schröffl von Mannsperg, die Achtmarkt von Achtmarktstein, Besitzer des malerischen Schlosses Teufelseck, das sie mit Erlaubnis Kaiser Ferdinands III. in Engelseck umbenannt hatten, die Riß von Riesenfels, lange Zeit Besitzer des schlichten Aichet-Schlösschens, die Egger von Marbach und die Schoiber von Engelstein. Einige gehörten zu den wichtigen Geldgebern des Staates. Alle waren sie große Bauherren, bisweilen auch Mäzene und Kulturförderer.
Die Eisenhändler kamen früh mit Neuem in Berührung, mit dem Tabak ebenso wie mit dem Meistergesang, mit dem Kaffee ebenso wie mit dem Protestantismus. Steyr hatte eine berühmte Meistersingerschule, ein protestantisches Schultheater und eine evangelische Lateinschule, die der berühmten Linzer Lateinschule der Stände nicht nachstand. Nicht zuletzt gingen aus dem Potential und Mäzenatentum der Händler immer wieder Literaten und Künstler von überregionalem Format hervor oder wurden angelockt und angezogen.
Die Abschaffung der städtischen Handelsprivilegien und Vorrechte und die schrittweise Einführung des „freien Handels“ unter Joseph II. bekamen alle Eisenwurzenorte schmerzlich zu spüren: an vorderster Linie natürlich Steyr und Leoben, aber auch Waidhofen oder die drei Märkte. Die Zahl der Eisen- und Provianthändler ging sprunghaft zurück. Nicht alle kamen mit der neuen Zeit und der neuen Konkurrenz zurecht. Die Städte mußten sich mit den neuen Gegebenheiten zurechtfinden. Ihre Einnahmen stagnierten. Neue Schichten und Familien stiegen auf. Viele aber verarmten.
Kurzfassung (2007) aus: Sandgruber/Katzinger/Pisecky/Kerschbaummayr: Der Handel in Oberösterreich. Tradition und Zukunft. Linz 2002.